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207) Kleinere Schriften IX 1) Sie alle wollten dem kleinen Mann sagen,
was wirklich Sache ist! 2) Wer ist hier wohl der Sklave?
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207 Kleinere Schriften IX
1) Sie alle wollten dem
kleinen Mann sagen, was wirklich Sache ist!
2) Wer ist hier wohl der
Sklave?
Sie alle wollten dem kleinen
Mann sagen, was wirklich Sache ist!
Jahrhundertelang donnerte
der Pfarrer von der Kanzel auf die in der Kirche versammelten herunter:
„Fürchtet Gott, er wird euch vor dem Bösen, dem Teufel, bewahren!“ Die Sonne
war gerade aufgegangen und schien durch die Fenster der Sakristei im Osten
der Kirche. „Seht die Herrlichkeit Gottes!“ – schrie der christliche Priester
und zeigte nach Osten. Dort war alles vergoldet und versilbert, was das Sonnenlicht
nur noch verstärkte. Bei wolkigem Himmel wurden dort zehntausend Kerzen
aufgestellt. Mit geblendeten Augen und offenem Mund blies ihnen dann von
hinten die Orgel noch erschreckende Töne ins Genick. Natürlich fühlten sich
die Armen wie in Trans. „Unter uns gibt es Hexen und Ketzer.“ – stellte der
Wilde auf der Kanzel fest. „Wir müssen sie auf dem Scheiterhaufen verbrennen,
um sie zu säubern. Rothaarige und Juden sind besonders gefährlich, weil sie
den Jesus gequält haben. Dazu behaupten die noch, dass wir Götzen anbieten,
und wollen nicht verstehen, Vater, Sohn und der Heilige Geist sind doch eins.
Wissen die nicht, drei ist eins? Dabei hob er seine Hand in die Höhe und
streckte alle fünf Finger aus. „Im Frühjahr ziehen wir dann in den heiligen Krieg,
um Jerusalem von den Heiden zu befreien!“ Der Rest der Predigt erfolgte auf
Lateinisch, damit es auch wirklich niemand verstand, meist nicht einmal der
Schreier im schwarzen Kittel.
Der ungarische
Regierungschef von 1913-1917, Tisza István, sprach sich gegen das „allgemeine
Wahlrecht“ aus, weil er die Bewohner nicht für pflichtbewusst genug hielt, um
verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Später sollte er Ungarn in die
Katastrophe des ersten Weltkrieges führen.
Die führenden politischen
Kreise der 1930-er Jahre unternahmen nichts gegen Hitler, Mussolini, Horthy,
entzogen der demokratischen, spanischen Regierung ihre Unterstützung und
lieferten sie auf diese Weise Franco und den faschistischen Ländern aus, weil
sie dachten, dass es nicht Schlimmeres gebe, als die Volksherrschaft. Später
mussten dieselben herrschenden Kreise die größte Gefahr in den
nationalistischen, rechtsgerichteten Diktaturen erkennen, im zweiten
Weltkrieg.
Von Plattenfirmen, Verlagen,
Filmherstellern wird uns immer wieder gesagt, man müsse Kunst erlernen. Dabei
setzt man uns Hollywood, Harry Potter, Michael Jackson und ähnlichen Blödsinn
in der Malerei vor. „Friss das, du dummer Bürger!“
Wie lange wollen uns diese
Neunmalklugen noch an der Nase herumführen.
Wer ist hier wohl der
Sklave?
Ich war fast achtzehn, da
stellte ich mir die Frage, ob ich so leben wollte, wie alle anderen. Immer
stärker wurde der Drang in mir, auszusteigen, einfach alles und alle
zurückzulassen. Die Reaktionen meiner Umgebung kamen prompt: „Du fliehst doch
nur vor dem Leben!“, „Du wirst in irgendeine Sekte hineinrutschen, und die
machen dich dann fertig. Die haben ihre Methoden und Mittel, um dich zum
Sklaven zu machen.“ Oder: „Aha, die Droge ruft dich! Du wirst dann vor den
Schulen stehen und kleinen Kindern dieses Zeug verkaufen!“
Nun, wie sieht die Sache im
Jahre 2017, also mehr als dreißig Jahre später, in Europa aus?
Neofaschistische Bewegungen werden immer stärker, Diktaturen entstehen
innerhalb der Europäischen Union, Rassismus fordert große Opfer. Und die
Leute, die mich damals kritisierten? Tja, die sind zu Leisetretern geworden,
weil sie Angst haben, ihre jämmerliche Existenz zu verlieren. Die haben ihre
Grundsätze für ein Auto, eine Wohnung und einen Urlaub pro Jahr verkauft. Die
fragen nicht, ob ein Gesetz gerecht ist, sondern halten es einfach ein, aus
Angst. Sie sind Sklaven geworden, einer Droge, für die sie alles opfern
würden. Oder noch schlimmer, sie sind aktive Teile dieser autoritären
Systeme, wollen selbst Sklavenhalter sein.
Ich bedaure sie sehr. Ich
scheine der einzige zu sein, der fähig und bereit ist, für seine Grundsätze
zu kämpfen.
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Thursday, 23 March 2017
Saturday, 25 February 2017
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206) Kleinere Schriften VIII 1) Alkohol 2) Verstehen wir wirklich, was
wir lesen? 3) Tekintélyelvű 4) Fünfzig 5) Smartishly 6) Gedanken über Armut
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206
Kleinere Schriften VIII
1) Alkohol
2) Verstehen wir wirklich,
was wir lesen?
3) Tekintélyelvű
4) Fünfzig
5) Smartishly
6) Gedanken über Armut
Es steht fest, Alkohol ist
die gefährlichste Droge. Deshalb schlage ich vor, Hersteller, Vertreiber und
Verbraucher mit Freiheitsentzug bis zu zwanzig Jahren zu bestrafen.
Verstehen wir wirklich, was
wir lesen?
Ich liebe Fachbücher, vor
allem solche, in denen versucht wird, komplizierte Dinge auf verständliche
Weise zu erklären.
Zum Beispiel: Auch Zeit und
Raum sind eigentlich verhältnismäßige Größen. Aber es gibt zwei absolute
Grenzgrößen: 1) Lichtgeschwindigkeit (Nichts kann sich schneller als das
Licht bewegen. 2) Bei weniger als zweihundertdreiundsiebzig Grad minus hört
jede Bewegung auf. Dies ist ein Teil der Relativitätstheorie von Einstein.
Ohne über tiefere Kenntnisse
auf diesem Gebiet zu verfügen, ist diese Aussage verständlich. Würde man sie
mit Gleichungen erklären, würden Normalsterbliche dem Lesegenuss beraubt. Die
meisten nehmen Fachbücher nicht einmal in die Hand, weil sie sich einen
solchen Misserfolg ersparen wollen.
Aber auch bei Büchern über
Kunst, Musik, Geschichte, also Gesellschaftswissenschaften sieht es nicht
viel besser aus. Man muss Jahre mit schulischem oder privatem Studium
verbringen, um Zusammenhänge zu erkennen.
Wieviel angenehmer sind hier
Liebesgeschichten, Abenteuerromane und so weiter, in denen beschrieben wird,
wie jemand am Palmenstrand eine exotische Liebe mit einer Einheimischen
erlebt oder ihm gerade eine Pistole an den Kopf gehalten wird.
Verstehen wir das wirklich?
Wahrscheinlich nicht! wir können nur solche Dinge nachvollziehen, die wir in
irgendeiner Weise an etwas Ähnliches, selbst Erlebtes knüpfen können. Doch
dies stört uns im Allgemeinen nicht. Wir rühmen uns sogar vor unseren
Freunden, wie gut diese Geschichte geschrieben sein soll.
Deshalb würde ich jeden dazu
ermuntern, alle Bücher durchzulesen, von denen man auch nur zehn Prozent
versteht. Schon dieser kleine Teil bringt uns dem allgemeinen Verständnis
einen Schritt näher.
Amikor a tekintélyelvű
előttem áll, mindig behúzza fülét, farkát, mert pontosan érzi, hogy én
fölötte állok!
Jetzt bin ich fünfzig. Ein
ganzes, halbes Jahrhundert. Ein Jubiläum. Eigentlich sollte man das festlich
feiern. Aber ich
warte lieber auf die Hundert.
They want bills, an
account, diplomas and you to dress smartishly. Maybe they would better get a
snob and not a real scientist.
Gedanken über Armut
Ein arabischer Kaufmann
schickt seine Diener auf die Straße, um so viele Leute wie möglich zum Essen
einzuladen.
Sehr viele Reisende des
dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts beschrieben solche und ähnliche
Szenen. Jeder wollte seine Nachbarn und Konkurrenten übertreffen und somit
seinen Ruhm vergrößern.
Adam Smith erzählt in seinem
Werk „The wealth of nations“, dass ein Bettler in England gefragt wurde,
woher er komme, um ihn in sein Heimatdorf zurückzubringen, damit er dort
versorgt werde, damit sich die dortige Gemeinschaft um ihre eigenen Armen
kümmere.
Was in der alten, arabischen
Kultur eine Frage der Ehre war, wurde in Europe institutionalisiert. Man
baute Armenhäuser oder überließ der Kirche die Lösung dieses Problems, was
diese nur widerwillig und oberflächlich übernahm.
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Friday, 10 February 2017
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205) 1) Die Bedeutung der sprachlichen Komplexität 2) 1929
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205
1) Die Bedeutung der
sprachlichen Komplexität
2) 1929
Die Bedeutung der
sprachlichen Komplexität
Ein paar Männer in lockerem,
weißem Kleid spazieren in einem Hain und unterhalten sich über Philosophie,
Mathematik und ähnliches. Es ist ihnen nicht daran gelegen, ihre Projekte und
Gedanken in die Tat umzusetzen. Es geht nur darum, auch den wundersamsten
Gedankengang in Worte zu fassen, geistig zu ergreifen. Niemand hätte davon
einen Vorteil, keinem würde es die Arbeit erleichtern. Zu dieser Kunst des
Gedankenaustausches ohne greifbare Endprodukte ist ein komplexes System von
Wort und Struktur, also Grammatik, nötig.
Ein kleines Beispiel dazu:
Ich arbeite mit einem modernen Laptop, benutze alle zur Verfügung stehenden
Programme und versuche dann das gleiche mit einem alten 286. Die Programme
vertreten hier die Struktur und Wörter einer Sprache. Natürlich werde ich auf
der alten Maschine fast nicht verwirklichen können.
Kenner der antiken Sprachen
äußern sich meist anerkennend oder in Erinnerung an die Schulzeit und die
Schweißausbrüche bei Übersetzungsversuchen abwinkend.
Wie kommt es, dass heutige
Sprachen all diese strukturellen Möglichkeiten nicht mehr ausnutzen? Denken
wir nur an die zwölf Zeiten im Englischen! Was hat sich in unserer
Kommunikation geändert?
Nach einem dunklen
Mittelalter entwickelte sich die Technik, Baukunst, Musik und schließlich
Photographie. Ich sehe etwas Interessantes, mache mit meinem Telefon ein
Bild, schreibe darunter „Dort bin ich!“, wähle dazu einen passenden
Hintergrund aus meinem Musikregister und schicke es meiner Liebsten. Müsste
ich jenes mit einem Text vollbringen, würde es wesentlich länger dauern. Wir
drücken uns technisch aus! Sprache beschränkt sich sozusagen auf kurze
konkrete Anweisungen, aber reicht nur selten bis Beschreibungen, Erklärungen
oder Ausdruck der Gefühlsregungen.
1929
„Die Ursache der
Weltwirtschaftskrise war die Überproduktion!“ – heißt es nicht nur in einem
Fachbuch, das sich mit diesem Thema beschäftigt. Eine gutklingende Erklärung
für einen vereinfachten Slogan!
Nach den napoleonischen
Kriegen gelang es dem Engländer mit Übereinstimmung der damaligen
Königshäuser, die die Bedeutung der überseeischen Provinzen noch immer
unterschätzten, eine „Balance of Power“-Politik zu verwirklichen. Die Welt
war mit Hilfe der Technik global geworden. Den Handel wickelten die Engländer
ab, weil sie über die größte Flotte verfügten und ihre Stützpunkte an den
wichtigsten Stellen hatten. Sie schafften also Rohprodukte nach Europa und
Fertigprodukte von Europa in die übrigen Teile der Welt. Und solange die
Europäer mit ihrer regionalen Machtpolitik und die Engländer mit ihren
Kolonien beschäftigt waren, gab es ein vorher unbekanntes
Wirtschaftswachstum. Hundert Jahre sollte dieser fast paradiesische Zustand
dauern. Ende des neunzehnten Jahrhunderts waren dann die Machtstrukturen in
Europa ziemlich festgefahren und vor allem das unter Bismarck vereinigte Deutschland
sehnte sich nach mehr. Die Engländer bestimmten Zölle und Preise für
Rohstoffe und Fertigprodukte und versuchten, die Tätigkeiten von
Schifffahrtsunternehmen anderer Länder zu verhindern. Bei Beginn des ersten
Weltkrieges war jede Partei von der Rechtmäßigkeit ihrer Sache überzeugt, der
Krieg selbst für jede eine Katastrophe. Nach 1918 kam der Wiederaufbau,
anfangs mit einem Wirtschaftsaufschwung. Die großen industriellen Einheiten
waren alle auf Massenproduktion eingestellt, wie auch vor dem Krieg. Die
Binnenmärkte bald gesättigt hätte man gerne auch im Ausland verkauft, aber
hohe Einfuhrzölle machten dies für jeden unmöglich. Die politischen Führungen
hatten sich auf Selbstversorgung eingestellt, um für einen möglichen Konflikt
unabhängig zu sein.
Folge: Überproduktion? Nein,
wirtschaftliches Chaos aufgrund von Protektionismus!
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Tuesday, 31 January 2017
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204) Was gut ist, ist einfach gut II
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204
Was gut ist, ist einfach gut
II
Langsam kam die
Musik-Branche zu der Einsicht, dass die Jungs für ihre Ziele nicht geeignet
waren. Die Stilrichtung war genial, man musste nur die richtigen Leute
finden, auf die man das alles aufbauen konnte. Im Idealfall hatte man ein
Talent gefunden, schminkte es ein wenig, dafür gab es Kosmetiker,
Journalisten, Designer, Mode-Fachleute, dann konnte die Kampagne beginnen.
Nach den Aufnahmen in einem Profi-Studio, in dem man alle Effekte ausnutzte,
alle Ton- und Klangnuancen korrigieren konnte, wurden Konzerte veranstaltet.
Tontechniker, Playback, Lichteffekte, Riesenplakate und Platten, CDs in allen
Geschäften, ständige Präsenz im Radio, Interviews im Fernsehen, Artikel in
der Boulevardpresse. Und dann würde man sehen, wie sehr man den Markt
ausschlachten könnte.
Die Plattenfirmen liefen nun
um die Wette. Jede baute sich ihre eigene Stargruppe auf, ein paar uralte
Schlager wurden neu verarbeitet, mit diesem neuen Rhythmus versehen, natürlich
alles in C-Dur, vier oder fünf Akkorde. Bevor die Platten fertig waren,
erschienen schon die Werbeplakate. Je nach Verbraucherzielgruppe variierten
das Aussehen, das Image und die Texte der Musikband. Für die Jüngsten:
„Hurra, die Ferien sind da!“ Für die Zwanziger: „Liebe am Strand!“ Für die
Dreißiger: „Ein grünes Leben!“ Für die Vierziger: „Gib ihr eine Rose!“
Konzertsäle wurden reserviert. Jeder wollte die meisten Plätze besetzen,
Radiominuten kaufen.
Die Gruppe gab auch
weiterhin ihre Konzerte. Doch der Bedarf sank, immer häufiger wurden ihre
Auftritte von Kneipenbesitzern abgelehnt, sie mussten ihre Gage senken. Für
die meisten Mitglieder war das kein so großes Problem, hatten sie doch ihr
Studium fast beendet und eigentlich auch nie wirklich den Wunsch gehegt, ins
Musikgeschäft einzusteigen. Nur manchmal wenn sie in dem einen oder anderen
Schlager ihre eigene Musik erkannten, tat es ihnen ein bisschen weh.
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Friday, 27 January 2017
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203) Was gut ist, ist einfach gut I
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203
Was gut ist, ist einfach gut
I
„Nein, keiner kann mehr
rein! Bitte, liebe Leute! Ich spreche mit der Band und bin sicher, dass sie
auch nächste Woche hier spielen.“ – Er schloss die Tür seiner Kneipe und
drängelte sich durch die Zuhörermenge zur Theke durch. Seit
neunzehnhundertsechzig führte er den Music-pub, hatte in diesen zwanzig
Jahren so ziemlich alle Musikrichtungen des zwanzigsten Jahrhunderts zu Gast,
aber so etwas hatte er noch nie erlebt. Seit Wochen war die Kneipe jeden
Abend überfüllt. Diese Jungs waren einfach eine Goldgrube. Nicht zu viel
Elektronik, nur einfache Instrumente, ein Rhythmus der anfänglich ein
bisschen seltsam wirkte, kein wirklicher Gesang, sondern nur die Nachahmung
von Stimmen. Ganz egal, ob die schnelle, lustige oder langsame Stücke
spielten, die Musik riss die Zuhörer mit. Das waren junge Leute, sie hatten
ein kleines Hausstudio und nahmen dort ihre Kassetten auf, die er, der Wird
an der Theke neben den Getränken verkaufte. Manchmal war er fast
eifersüchtig, die verdienten mit ihren Kassetten mehr, als er mit seinen
Getränken, jedes Mal „ausverkauft“. Das waren eigentlich nur Hobbymusiker,
die hatten schon in der Schule zusammen gespielt und dabei langsam ihren Stil
gefunden. Spielten einfach die Seele aus sich heraus, improvisierten, wie die
Größten. Jetzt nach dem Abitur verdienten sie das Geld fürs Studium. Offene
Leute, deren geistiger Horizont kein Brett vor dem Hirn behinderte. Und das
alles in seiner Kneipe. Vielleicht sollte er seine Räumlichkeiten vergrößern.
Und die Zuschauer, wunderbar, forderten eine Zugabe nach der anderen.
Nach dem Ende des Konzerts
tranken die Musiker vor dem nach Hause-Weg noch ein wohlverdientes, kaltes
Bier und packten langsam ihre Instrumente zusammen. Als sie die Kneipe
verließen, fuhr ein großes Auto vor. „Steigt ein!“ – rief der Fahrer. „Ich
bringe euch nach Hause.“ Die Jungs lehnten nicht ab, mit der ganzen
Ausrüstung war es ziemlich umständlich, die öffentlichen Verkehrsmittel zu
benutzen. „Das war ja wieder ein tolles Konzert! Wo habt ihr das denn?“ Die
Jungs erzählten kurz ihre Geschichte, er hörte eigentlich gar nicht richtig
zu. „Es wäre doch gut mit so einem Kleinbus das ganze Zeug herzubringen,
nicht wahr?“ – und deutete auf die Ausrüstung. „Man müsste nur ein bisschen
Geld machen.“ – fuhr er fort. Jetzt schauten sie auf. „Wer ist das? Worauf
will der hinaus?“ – ging es ihnen durch den Kopf. Als ob er die Frage geahnt
hätte, gab er jedem eine Visitenkarte. „Talentsuche! Super Möglichkeit!“
Darunter ein wohlklingender Name, Telefon- und Faxnummer. „Ich arbeite für
eine Plattenfirma. Wir suchen solche genialen Leute, wie euch! Man müsste
natürlich etwas Elektronik hineinbringen, die Kleidung – Pop-Rock, und
wirkliche Texte von Liebe und Umweltschutz. Wisst ihr, das ist jetzt Mode!“ –
und noch viel anderes Bla Bla.
Am nächsten Abend kamen die
Mitglieder der Gruppe zusammen, um neue Stück zu probieren, Konzertpläne,
finanzielle Dinge und ähnliches zu besprechen. Aber das Hauptthema war das
Erscheinen des Agenten. Man begann, ein bisschen zu träumen, stellte sich
vor, wie es wäre. „Wenn du einmal entdeckt wirst, hast du es geschafft!“ –
hieß es da. „Oder die machen aus die eine Eintagsfliege. Wenn du nicht genau
ihre Anweisungen befolgst, lassen die dich wie eine heiße Kartoffel wieder
fallen. Du wärest ihnen ausgeliefert, würdest von ihnen abhängen. Die bauen
dich auf oder ab, wie es denen gerade gefällt.“ Zu einer gemeinsamen
Entscheidung kam es nicht, aber es bestand auch nicht unbedingt die Gefahr
einer sofortigen Trennung. Nach einer Zeit wurde die ganze Sache vergessen.
Die Gruppe hielt viele
Konzerte, fast jedes Wochenende, diese waren sehr erfolgreich und brachten
auch etwas Geld. Natürlich wuchsen auch die Ausgaben. Solange man nur in der
Heimatstadt und Umgebung Konzerte veranstaltete, war es noch ziemlich
günstig, aber weitere Reisen oder gar eine Tournee ließen sich damit nicht
finanzieren. Man musste sich langsam überlegen, ob man Hobbymusiker bleiben
wollte und sich das Studium konzentrierte, oder den riesigen Schritt ins
Musikgeschäft wagen wollte. Als die Einnahmen etwas stiegen, meldete sich
auch das Finanzamt. Jetzt hätte man eigentlich einen professionellen Manager
gebraucht, der über die nötigen Geschäftsbeziehungen verfügte. Und dann
erschien der Agent wieder, oder besser nicht nur er, sondern einige dieser
Branche. Doch die Vorstellungen dieser Leute widersprachen in jedem
Gesichtspunkt denen der Gruppenmitglieder. Die Musiker hatten eigenen
Ansichten über ihr Schaffen und Wirken und wollten diese nicht unbedingt für
billigen, verkaufbaren Schund aufgeben. Jedoch wuchsen die Spannungen
innerhalb der Gruppe.
Irgendwann rief der eine
dann heimlich einen der Agenten an. Der musste aber schnell feststellen, dass
sich hier nur der Unfähigste der Gruppe gemeldet hatte. Er hätte diese
Richtung nicht vertreten können, bei der ersten größeren Pressekonferenz wäre
der Luftballon geplatzt. Auch für einen Agenten ist das Leben nicht immer
leicht. Man muss eine Person mit Charakter finden, die bereit ist, ihre
eigene Seele für ein bisschen Geld zu verkaufen. Dumme Leute gibt’s genug,
das sind die, die den ganzen Kram der Werbekampagnen und dann die Kommerz-
oder Mode-Musik fressen und kaufen. Heute Herz-Schmerz, morgen Naturschutz
und Weltfrieden. Oder ein richtiger Mann, natürlich ein bisschen Macho, das
gefällt den Frauen. Er muss für die Gleichberechtigung der Frauen eintreten,
aber zu Hause Ordnung halten, das heißt: Der Platz der Frau ist in der Küche.
Oder: Ich liebe die Natur, und deshalb hab‘ ich mir einen Palast mitten in
den Wald gebaut. Vielleicht eine Frau mit großen Titten, ein Vorbild für die
Frauen und den Männern fallen die Augen raus. Der Snobismus kennt keine
Grenzen. „Ich fahre natürlich ein Hybrid-Auto! Man kann ja nicht mit dem
einfachen Volk die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen.“ Dumme Überzeugung
gemischt mit ein bisschen Verstand. Der Star darf nur eine Spur klüger
aussehen, als der konsumierende Durchschnitt.
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Friday, 20 January 2017
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202) Bestechung (Korruption) oder Staatsorganisation
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202
Bestechung (Korruption) oder
Staatsorganisation
Der ägyptische Pharao saß
auf seinem Thron und ließ sich von den Gesandten Äthiopiens beschenken. Felle
von Löwen, Antilopen, reichlich bearbeitete Elfenbeinfiguren, Kristalle,
Gläser, Edelsteine und Metalle wurden ihm zu Füßen gelegt, außerdem tausende
von Fässern mit Lebensmitteln, die unmittelbar in seine Vorratskammern
wanderten. Sehr viele Stämme aus allen Himmelsrichtungen waren zu
Tributzahlungen verpflichtet und genossen dafür seinen Schutz, oder wurden
wenigstens nicht mehr so häufig von Ägyptern ausgeraubt. Äthiopische Sklaven
und Krieger sollten seinen Haushalt und sein Heer stärken. Wenn der Pharao
die Gesandten nicht auspeitschen ließ, bedeutete es, dass er mit den Gaben
nicht unzufrieden war und nun ein Jahr lang bis zur nächsten Ernte diesen
Teil seines Reiches vergessen würde.
Der Minotaurus wartete in
seinem Labyrinth auf die Opfer der Athener, jeweils sieben Mädchen und
Jünglinge. Natürlich wurden sie nicht von ihm gefressen, wie es die Sage
erzählt. Die Insel Kreta brauchte neue, junge Sklaven, Arbeiter, Krieger,
aber vor allem neues genetisches Material, um Inzucht zu verhindern. Deshalb
forderten sie nicht nur von den Athenern diesen jährlichen Tribut, oder heute
nennen wir das Steuer.
Das römische Reich war zu
seiner Zeit das organisierteste. Die eroberten Länder wurden dem Staat
einverleibt. Augustus verkaufte die Konsuln- und Prokonsulnämter, das
bedeutete die Führung und das Recht des Steuereintreibens in den einzelnen
Provinzen, an den Meistbietenden unter den Patriziern. Diese wiederum teilten
eine Provinz in kleinere Einheiten, die sie weiterverkauften. Und so ging es
weiter die Hierarchie hinunter bis zum kleinen Bauern, der diese Steuern
bezahlte. Der Wirkungsgrad war niedrig, von zum Beispiel hundert Geldstücken
kam ungefähr eines beim Kaiser an. Das gleiche Verfahren wurde bei
Handelslinien angewandt, die er an Patrizier verkaufte.
Erst Napoleon änderte diese
Ordnung oder Unordnung, indem er nach Vorbild der französischen Revolution
ein Schulsystem einführte, in dem Staatsbeamte ausgebildet wurden, die dann
diese Ämter gegen regelmäßige Bezahlung ausübten. Die Einnahmen des Staates
stiegen gewaltig. Natürlich ließen diese Beamten auch gern ein bisschen Geld
von Privatpersonen in ihre eigenen Taschen wandern. Deshalb wurde ein
Kontrollbeamtentum geschaffen, um dies zu verhindern. Ein neuer
Strafsachverhalt entstand, den wir Bestechung nennen.
Und so steht der Staat heute
immer vor dem Dilemma seine Handlanger gut genug zu füttern, damit sie nicht
bestechlich werden, also loyal oder treu bleiben, aber ihnen doch nicht zu
viel zu geben, damit für das Funktionieren und die zu erledigenden Aufgaben
genug bleibt.
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Friday, 13 January 2017
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201) Der moderne Physiker in der Welt des Aristoteles
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201
Der moderne Physiker in der
Welt des Aristoteles
Er hatte gerade die letzten
Vorträge für das Semester gehalten und bereitete sich auf eine Reise aufs
Land vor. Mit seinen Studenten war er nicht immer zufrieden, weil er das
Gefühl hatte, dass sie nicht verstehen, was er ihnen erklärt. „Wenn man die
Welt um sich herum verstehen will, gibt es keine andere Möglichkeit, als die
Gesetzte der Natur zu erlernen. Diese sind auf grundsätzliche Erkenntnisse
aufgebaut und lassen sich durch die Geschehnisse in der Natur beweisen.“ –
dachte er bei sich.
Er setzte sich in den Zug,
stieg an der kleinsten Haltestelle aus und fühlte sich erst wirklich wohl,
als er auch diese letzten Häuser verlassen hatte. Mit dem Wanderstock
ausgerüstet genoss er die Freiheit der frischen Luft. Da kam ihm aus der
Ferne ein Landwirt auf einer Karre entgegen. Dieser zog ein intelligentes
Gesicht, mit dem Verstand eines Naturburschen, der mit beiden Füßen fest auf
dem Boden stand, der sich seiner Umgebung aufs Genaueste bewusst schien. Als
diese an ihm vorüberfuhr, grüßten sie sich, wobei der Bauer nicht aufpasste
und eines der Räder der Karre auf einen größeren Grenzstein auflief. Das
ganze Gefährt hob sich einseitig, wodurch der Kutscher aus seinem Bock
gehoben wurde und vor den Füßen des Physikers landete. „Kruzitürken!“ –
entwich es ihm. „Ich bin gefallen!“ Der Physiker hatte das Gefühl, dass er
den Menschen über seinen naturwissenschaftlichen Irrtum aufklären müsse und
begann: „Nein, mein Herr! Die Mutter Erde hat sie angezogen.“ – „Was?“ – „Ja,
ja, mein Herr! Wenn es diese Anziehungskraft zwischen ihnen und dem Planeten
Erde nicht gäbe, wären Sie nach oben geflogen.“ Jetzt schaute ihn der
Landbewohner ein bisschen unglaubwürdig an. „Und ihre Mütze“ – dabei hob er
diese auf und gab sie dem Kutscher, „Ihre Mütze berührte den Boden zur
gleichen Zeit, wie Sie!“ – „Sag mir mal, du Schlauberger! Hat die Erde auch
solche Schmerzen, wie ich, wenn sie mit mir zusammenstößt?“ Der
Wissenschaftler war ein Mensch ohne Humor und verstand die Frage nicht. Nach
dieser Lektion über die geheimnisvollen Zusammenhänge der Natur und ihren
Gesetzen wollte der Bauer wieder auf seinen Wagen steigen, musste aber
feststellen, dass die Achse gebrochen war. „Das Ding fährt nicht mehr!“ –
entfuhr es ihm in seiner Wut. „Das ist nicht ganz richtig!“ – begann der
Gelehrte. – „Der Wagen ist in einer ständigen Bewegung, nur zur Beschleunigung
oder Richtungsänderung ist eine Kraft nötig.“ Jetzt verlor der Kutscher seine
letzte Geduld, spannte das Pferd aus und setzte sich darauf. „Sagen sie mir
doch bitte, wo es hier eine Herberge zum Mittagessen gibt!“ – „Ein paar
Kilometer weiter, im Dorf. Aber wenn du dich auf den Wagen setzt, fährt er
vielleicht von selbst dorthin!“- und mit einem lauten Lachen ritt er davon.
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