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Die Hexenjagd beginnt (Juli 2017)
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Die Hexenjagd beginnt (Juli
2017)
Seit Jahren arbeitet der
Schriftsteller dieses Berichts an einem Blog, auf dem man kostenlos Sprachen
lernen kann. Die Besucher des Blogs zieht vor allem das Deutsche, Englische,
Französische und Spanische an, aber auch das Russische oder unbekanntere
Sprachen, wie das Ungarische, gar eine tote, wie das Lateinische finden ihre
Interessenten.
Wie man eine Sprache
erlernen kann, dafür gibt es die verschiedensten Methoden und Vorstellungen.
Bei dem genannten Blog wird nichts übersetzt, sondern alles anfangs durch
Bilder, später durch in den früheren Lektionen verwendete Wörter erklärt. Auf
diese Weise eignet sich ein Kind eine Sprache an, weil es ja nicht sprechend
geboren wird. Ein besonders für den Blog angelegtes Wörterbuch führt den
Lerner immer zu der Lektion zurück, in der das gesuchte Wort erstmals
vorkommt. Am Anfang befindet sich eine Grammatik-Zusammenfassung, die auf der
einen Seite dem Lerner helfen soll, auf der anderen aber die Ansichten des
Autors widerspiegelt, der durch Jahrzehnte langes Studium und eigene
Erfahrungen zu Schlussfolgerungen kam, die des Öfteren den an Universitäten
und in Lehrbüchern gepredigten Dogmen widersprechen. Die Arbeit an diesem
Werk ist überaus interessant, geht aber langsam voran, während der Linguist
sich von Text zu Text, von Wort zu Wort, von einem grammatikalischen
Schwierigkeitsbündel zum anderen begibt.
Eines Morgens, als er sich
gerade an den nächsten lateinischen Text machen wollte, musste er
feststellen, dass die Lektionen für diese Sprache für diese Sprache für
Besucher nicht mehr erreichbar waren. Ein Schock durchfuhr ihn. War es einem
Gegner gelungen, in das Blocksystem einzudringen und es zu blockieren? Wer
könnte ein Interesse daran haben, genau die Aneignung einer toten Sprache
verhindern zu wollen? Es gab dort weder politische Äußerungen, noch sprachen
die geringen Besucherzahlen dieses Teiles des Blockkomplexes dafür, sich
gerade darauf zu stürzen.
In seinen Einträgen und
Artikeln dagegen machte er sich über politische Akteure lustig, kaum einer
wurde verschont, Kirche, neofaschistische Parteien in Europa, Israel und so
weiter. Er hatte sich viele Feinde und wenige Freunde geschaffen. Aber dies
waren nicht die Sprachenblogs, sondern seine literarischen Werke.
Oder vielleicht ein
Konkurrent auf dem Sprachenmarkt? Es gab sowieso schon viele Besucher in der
ganzen Welt.
Die Werbung für den Blog
hätte eigentlich viel gekostet, doch eröffnete bei Portalen, wie Facebook
oder LinkedIn, um nur die wichtigsten zu nennen, immer wieder neue Konten,
verschickte an tausende Privatleute seine Kontaktanfragen, wenn diese
bestätigt wurden, konnte er diesen Leuten einen kurzen informativen Text mit
dem Link zu seinem Blog schicken. Kamen die Portale aber dahinter, dass er
für diese Art der Werbekampagne nicht bezahlte, blockierte man ihm kurzum die
Konten. Jede Konkurrenz auf dem Markt war ihnen gefährlich, vor allem wenn es
sich um einen Blog handelte, der endlich einmal etwas qualitativ Gutes
herstellte.
Als nächstes sah er nach, ob
vielleicht etwas mit dem Innenleben des Blogsystems passiert war. Da stellte
sich heraus, dass Google selbst diesen Blog-Teil blockiert hatte. Er musste
Google dankbar sein, dass es der Allgemeinheit so eine Möglichkeit bot. Aber
musste nicht auch Google ihm dankbar sein, weil er mit seiner unbezahlten
Arbeit nicht nur seinen Blog sondern auch Googles Suchsystem berühmt machte.
Also, was steckte dahinter, was waren die Gründe?
Die amerikanischen
Präsidentschaftswahlen waren abgelaufen und ein Populist der schlimmsten Art
hatte gewonnen, angeblich mit Hilfe von russischen Hackern. Rechtsgerichtete
und Islamisten verbreiteten Schreckensnachrichten im Internet, sogar sonst
eigentlich liberale Politiker und Medienakteure riefen nach Kontrolle dieses
Mediums, die Panik war vollständig. Facebook, Twitter, LinkedIn, Google und
andere wurden aufgerufen, ihre eigenen Portale zu „säubern“. Hatte denn aus
der Geschichte niemand etwas gelernt? Im Mittelalter bestimmte die Kirche,
was von den Mönchen vervielfältigt werden sollte. Dann tauchte ein
Soros-Agent auf, der Erfinder des Buchdrucks, Gutenberg. Die Kirche, der
König und Adel zeigten sich empört und warnten davor, dass das Volk nun
schädliche Schriften lesen würde. Was für eine Parallele zur heutigen Zeit!
Aber im einundzwanzigsten Jahrhundert müssten wir eigentlich wissen, dass der
Buchdruck wesentlich zur Demokratisierung eines Teils der Welt beigetragen
hat.
Aber Google widerstand der
Versuchung nicht, dem Verlangen dieser ungebildeten Schreihälse genugzutun,
sondern hatte ein Programm in Betrieb gesetzt, um alle Inhalte der Blogs
durchzusehen. Dieses Programm war auf hundertfünfzig heute gesprochene
Sprachen eingestellt und filterte alles als gefährliche Geheimsprache aus,
was nicht in dieses Schema passte. Lateinische oder Sanskrit-Texte wurden nur
dann akzeptiert, wenn sie mit den Namen Cicero, Horatius versehen waren. Aber
sein Blog lehrte diese alte, würdige Sprache mit eigenen Texten ohne
Übersetzung, und war deshalb im Sieb hängengeblieben. Wann wird der kleine
Mann endlich erwachen und sich gegen diese Willkür auflehnen? Wem soll man
die Macht und das Bestimmungsrecht geben, zu entscheiden, was wir lesen
dürfen, ohne dabei Gefahr zu laufen, dass sich dies wieder zu einer
diktatorischen Zensur auswächst?
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Wednesday, 26 July 2017
Friday, 30 June 2017
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211) Die Olympiade der Tiere
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211
Die Olympiade der Tiere
Der Morgen graute schon, die
ersten Vögel begannen ihren Gesang und der Affe schlief noch tief in einer
Astgabel. Als das Getümmel um ihn aber immer heftiger wurde, riss es ihn doch
aus den Träumen. Sein Gesicht verriet leichte Verärgerung, hatte er doch noch
das Bild schöner Vorstellungen vor den geistigen Augen. „Man hatte ihn gerade
zum Sieger über alle erkoren und sein Haupt mit Lorbeeren gekrönt.“
Der Traum war so wirklich
gewesen, dass es ihn verwunderte, was er hier überhaupt auf der Astgabel
verloren hatte. Die Züge verwandelten sich wieder in ein Lächeln. „Ich bin
der Beste!“ Er brauchte nur noch Zuschauer, die klatschen würden. Deshalb
begab sich der Affe zum Elefanten und stieß ihn an, mit seiner Trompete das
Signal zur Versammlung zu geben. Es dauerte nicht lange, bis die Tiere des
Waldes, der Steppe, der Luft und des Wassers aus allen Richtungen
herbeigeeilt waren, um die gute oder schlechte Nachricht zu empfangen.
Verschiedene Erwartungen zeichneten sich auf ihren Gesichtern ab. Dann
kletterte der Affe auf den kleinen Felsen in der Mitte des Platzes und hob
die Hände. Langsam wurde es still, man spitzte die Ohren. „Heute ist der
große Tag der Olympiade der Tiere!“ Fragend sah man durch die Reihen, keiner
wusste, was eine Olympiade sein sollte. „Ich bin der Beste!“ - fuhr der Affe
fort. „Ich werde gegen jeden in seiner Fähigkeit antreten. Ich schwimme
besser als der Fisch, fliege schneller als der Vogel.“
Die Verwunderung der Tiere
wurde immer größer. Was hatte sich dieser eingebildete Affe wohl nun wieder
ausgedacht. „Ich werde zuerst mit dem Frosch um die Wette hüpfen.“ Er
kletterte vom Felsen herab, nahm einen Stock und zeichnete eine Linie in den
lockeren Boden. Dann nahm er Anlauf und hüpfte. Alle waren erstaunt, dass der
Affe solche Sprünge machen kann. Nun stellte sich das grüne Tier hinter die
Linie, machte einen mittelmäßigen Satz und landete auf der anderen Seite des
Platzes im Gebüsch, wo ihn niemand mehr sehen konnte. „Disqualifiziert!“ –
schrie der Affe. „Die Jury hat entschieden, dass der Frosch disqualifiziert
wird, weil er die Landebahn verlassen hat.“ Die Tiere verstanden nicht, was
die Wörter „disqualifizieren und Jury“ meinten, für sie war klar, dass der
Frosch viel weiter gehüpft war. Aber es wunderte sie auch nicht, als der Affe
irgendeinen Pflanzenkranz (Lorbeer) auf seinen Kopf setzte.
Die Stimmung wurde
eigentlich immer besser, die Sache fing an, den Tieren zu gefallen. Das
nächste an der Reihe, war das Zebra. Der Affe und das Huftier stellten sich
hinter die Startlinie. „Auf die Plätze, fertig, los!“ Der Verwandte der
Pferde war schon bis zum Ziel und zurück gelaufen, als der Affe erst die
Mitte erreicht hatte. Schnaufend lief er über die Ziellinie, drehte sich
herum und dachte, dass er so schnell gewesen sei, dass das Zebra ihm nicht
hatte folgen können. „Ich bin heute wirklich in Form.“
Der Fisch wartete bereits am
Ufer auf seinen Wettbewerber. Der Affe warf sich in die Fluten und begann,
wie wild mit den Armen zu schlagen. Die Schildkröte befürchtete, dass er
ertrinken will, schwamm unter ihn und brachte den Durchnässten zum Ufer
zurück. „Das ist Betrug!“ – beklagte er sich. „Das Panzertier hat mich am
Schwimmen gehindert!“ Er hustete und spuckte so viel Wasser, dass niemand
verstehen konnte, was er von sich gab.
Dann rannte er auf einen
hohen Felsen. Die Tiere bekamen langsam Angst um ihn. Schnell spann die
Riesenspinne ein Netz unter ihm, falls er auf den Gedanken kommen sollte,
herunterzuspringen. „Ich fliege schneller als die Vögel.“ Und mit der
Geschwindigkeit eines fallenden Steines näherte er sich dem Erdboden, genau
in das elastische Gewebe der Spinne, das ihn immer wieder mit dem gleichen
Schwung zurück in die Luft schleuderte. Jedes Mal, wenn es nach oben ging,
rief er: „Ich fliege! Seht nur, wie ich fliege!“
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Friday, 12 May 2017
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210) Kleinere Schriften XII 1) Sicherheit oder Angst? 2) Ein guter
Schriftsteller … 3) Jetzt kann ich gehen. 4) Es ist leichter, … 5) Land und
Glaube 6) Nicht der Staat
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210
Kleinere Schriften XII
1) Sicherheit oder Angst?
2) Ein guter Schriftsteller
…
3) Jetzt kann ich gehen.
4) Es ist leichter, …
5) Land und Glaube
6) Nicht der Staat …
Sicherheit oder Angst?
In meiner Qualität als
Sprachlehrer begebe ich mich, wenn der Schüler oder dessen Eltern oder
Unternehmen es wünschen und auch zahlungsbereit sind, auch manchmal vor Ort,
das heißt: in die Wohnung oder das Büro des zu unterrichtenden.
Mein Weg sollte mich diesmal
in einen besonders exklusiven Teil der Stadt führen. Gemäß meiner Gewohnheit
komme ich auch nie zu spät, vor allem, wenn ich den Weg nicht genau kenne,
nicht weiß, wie stark der Verkehr ist. So stand ich also zwanzig Minuten zu
früh vor dem Haus. Zehn Minuten vor der Stunde zu klingeln, ist meines
Erachtens kein großes Problem, aber zwanzig ist bedeutend zu früh. Ich
schaute mir die Klingeln mit den Namen genauer an, um sicher zu sein, dass es
auch das richtige ist und entschloss mich, noch eine Runde zu machen und eine
Zigarette zu drehen.
In zehn bis fünfzehn Minuten
hatte ich mich ein paar hundert Meter entfernt und war auch wieder
zurückgekehrt. Nun drückte ich den Knopf mit dem entsprechenden Namen, musste
überhaupt nicht lange warten, bis mir geöffnet wurde, und trat ein. Das
Hoftor war hinter mir ins Schloss gefallen, ich stand vor der Haustür und
suchte den Knopf für die Eingangstür, als hinter mir ein Mann das Gartentor
mit einem Schlüssel öffnete. Wir gingen zusammen ins Haus und in den Lift.
Wortlos drückte er auf den Knopf für den dritten Stock und wir fuhren hinauf.
Als ich ausstieg erwartete mich der Vater der Schülerin schon an der
Wohnungstür. Ich weiß nicht genau, wer der Mann war, der mich begleitet
hatte, aber vermute, dass er ein Angestellter eines privaten
Sicherheitsunternehmens war. Wahrscheinlich sind dort die ganze Straße, der
Hof, der Garten und vielleicht auch die Wohnungen mit Kameras versehen.
Sicherheit oder Angst?
Bei der
Fußballweltmeisterschaft in Südafrika oder der Olympiade in Brasilien kamen
die Touristen mit dem Flugzeug, wurden mit Sonderbussen zuerst zum Hotel und
dann jeden Tag zu den Stadien gebracht. Vom Land selbst sahen sie nichts,
weil es angeblich zu gefährlich war. In den Stadien gab es keine
Einheimischen, weil die Eintrittskarten für sie zu teuer waren.
Sicherheit oder Angst?
Bald werden sie auf
Grönland, dem Südpol oder gar dem Mond kleine Städte mit Golfplatz,
Supermärkten und Erholungsparks unter Glaskuppeln bauen, weil dorthin
bestimmte keine gefährlichen oder fremden Leute kommen.
Sicherheit oder Angst?
Sie werden alles nur mit
Bankkarte bezahlen, damit man ihr Geld nicht stehlen kann. Unter ihrer Haut
werden sie einen Chip tragen, damit sie nicht verloren gehen.
Sicherheit oder Angst?
Und dann werden sie einen
Hitler, Mussolini, Horthy oder Orbán unterstützen, der sie und ihre Rasse
beschützen soll.
Das ist dann ihr goldener
Käfig! Aus Sicherheit oder Angst? Wer weiß, ob sie selbst das wirklich
wollen.
Ein guter Schriftsteller hat
es nicht nötig, andere zu zitieren, er selbst verfügt über genügend eigene
Gedanken und Vorstellungen!
Jetzt kann ich gehen.
Ich habe gelacht und
geweint, geliebt und gehasst, manchmal getrennt oder beides zusammen.
Ich habe vieles vollbracht
und nichts vollendet, weil die Geschichte der Menschheit, deren Teil ich bin,
weitergeht.
Ich kann zufrieden gehen.
Es ist leichter, wenige
Stimmen zum Stillschweigen zu bringen, als gegen eine allgemeine Ungerechtigkeit
aufzustehen.
Hast du Land und Glauben, so
hast du Grenzen, die die Flügel zu den Gedanken stutzen.
Nicht der Staat soll die
Bürger kontrollieren, sondern die Bürger müssen die Macht des Staates eingrenzen.
Der Staat hat eine wichtige Funktion
der Verwaltung, aber regieren sollen die Bürger.
Vor dreitausend Jahren
brauchten wir einen der dachte und dreißigtausend, die die Pyramide bauten.
In der Zukunft werden wir dreißigtausend brauchen, die denken, weil die
Maschinen die Arbeit übernehmen werden.
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Tuesday, 18 April 2017
209) Kleinere Schriften XI 1) Von der Schrift über den Buchdruck zum
Internet 2) Wenn der Abgrund … 3) Als
es noch kein Bewusstsein … 4) Ich habe einfach zu viel … 5) Die armen
Christen … 6) Luther, Marx, Wagner und die Juden … 7) Der Unmensch
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209 Kleinere Schriften XI
1) Von der Schrift über den
Buchdruck zum Internet
2) Wenn der Abgrund …
3) Als es noch kein
Bewusstsein …
4) Ich habe einfach zu viel
…
5) Die armen Christen …
6) Luther, Marx, Wagner und
die Juden …
7) Der Unmensch
Von der Schrift über den
Buchdruck zum Internet
Die Schrift war der erste Schritt,
die Welt gleichgerechter zu machen. Aber die Könige brachten die
Priesterorden in ihre Gewalt, dort wurde Schrift und Malerei unter Kontrolle
unterrichtet. Trotzdem konnten sie nicht verhindern, dass die Untertanen
langsam erwachten.
Dann kam in Europa der
Buchdruck und die Kirche gehörte zu den größten Schreiern, die ihre
Monopolposition des Buchkopierens gefährdet sah. Natürlich war zu einer
Druckerei viel Kapital nötig, die Mächtigen wurden zwar ein bisschen
zurückgedrängt, aber es gelang ihnen wieder, einen Damm gegen die
Gleichberechtigung zu errichten.
Und heute? Ich würde jedem
vorschlagen, einmal zu versuchen ein eigenes kleines Netz innerhalb des
Internets aufzubauen. Du stößt sehr schnell an Grenzen. Die Zahl der
Teilnehmer, an die du Kontaktanfragen schicken kannst, ist begrenzt. Und wenn
deine Einträge in diesen Portalen zu erfolgreich scheinen oder zu sehr den
genehmigten Meinungen widersprechen, werden weitere Kontaktanfragen unmöglich
gemacht, um die Verbreitung deiner Einstellung zu verhindern.
Von der kritischen Schrift
zum Buchdruck vergingen ungefähr zweitausend Jahre, Vom Buchdruck zum
Internet fünfhundert. Vielleicht sind wir gar nicht mehr so weit von der
absoluten Gleichberechtigung entfernt.
Aber wenn dieser Blog einmal
aus dem Internet verschwinden sollte, weißt du, lieber Leser, dass unsere
Zeit noch nicht gekommen ist.
Wenn der Abgrund kommt und
die Nacht dich verschlingt.
Wenn du keinen Schmerz mehr
fühlst, sondern nur noch Angst.
Du bist wie gelähmt und
wirst immer langsamer.
Als es noch kein Bewusstsein
gab, das war die Zeit, als alles nur einer Masse glich, zu der auch du
gehörtest.
Ich habe einfach zu viel
nachgedacht, weiß einfach zu viel, um als Leisetreter leben zu können!
Die armen Christen haben
keine Ahnung von Mathematik! Für sie sind drei noch immer eins.
Luther, Marx und Wagner
waren böse auf die Juden, weil diese richtigerweise feststellten, dass die
christliche Religion ein Heidentum ist, das drei Götter hat.
Der Unmensch
Was lässt sich auf diesem Bild
sehen? Eine künstlich eingestellte Situation. Jemand wollte darauf aufmerksam
machen, wie schädlich das Rauchen ist.
Aber was für ein Unmensch
ist das, der ein Kind quält, damit irgendein schreckliches Bild auf eine
Zigarettenpackung kommt?
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Friday, 7 April 2017
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208) Kleinere Schriften X 1) Du sollst nicht begehren deines nächsten
Weib! 2) Das Sprachenspiel
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208 Kleinere Schriften X
1) Du sollst nicht begehren
deines nächsten Weib!
2) Das Sprachenspiel
Du sollst nicht begehren
deines nächsten Weib!
Eine Gruppe von Nomaden
kommt zu einem Wasserloch in der syrischen Halbwüste. Seit Tagen waren sie
auf der Suche nach dem kostbaren Nass gewesen, und jetzt ist dort schon eine
andere Horde. Für beide ist hier kein Platz und nicht genug Wasser. Ein Kampf
entfacht sich. Der Verlierer muss meist nicht nur einen Teil seiner Tiere,
sondern auch das eine oder andere Mädchen abtreten. So oder ähnlich mag es
vor drei-vier tausend Jahren ausgesehen haben. Der Stärkste überlebte, der
Schwächere wurde ausgeraubt, getötet oder verdurstete. Auch der Führer einer
Gruppe hatte seine Position durch Kampf erlangt, alle Tiere und Frauen
gehörten ihm, die übrigen Männer waren seine Diener und Untertanen.
Dann kam die Kuh als
Haustier, eine wirtschaftliche Revolution. Mit ihrer Milch, Butter, Käse und
so weiter war ein Mann jetzt fähig, eine Frau und mehrere Kinder zu ernähren.
Aber so ein Tier ist anspruchsvoller, benötigt immer frisches Gras, Wasser,
einen Stall und kann nicht so große Strecken zurücklegen. Man musste sich
niederlassen. Die erste Welle zwischen Jordan und Mittelmeer waren die
Phönizier, dann die Juden und später die Palästinenser. Dörfer und kleinere
Städte entstanden. Man betrieb Landwirtschaft, baute Schutzwälle um die
Siedlungen gegen feindliche Nomaden, und Dämme für die Wasserversorgung. Das
ruhige Leben und der verhältnismäßige Reichtum brachte eine Umstrukturierung
und Demokratisierung der gesellschaftlichen Beziehung mit sich. Nun war es
nicht mehr nötig, dem anderen das Vieh oder Weib zu rauben, um zu überleben,
man war vielmehr auf die Hilfe und Zusammenarbeit des Nachbarn angewiesen.
Neue Gesetze wurden geschaffen: Du sollst nicht stehlen! Du sollst nicht
begehren deines nächsten Weib!
Das Sprachenspiel
Was du zu diesem Spiel
brauchst:
- Einen Spielplan, bei dem es
einen Start und ein Ziel gibt. Du kannst dir auch selbst einen auf einem
großen Bogen Papier zeichnen.
- Einige Figuren, die die
Spieler repräsentieren sollen. Tierfiguren sind sehr geeignet, wenn du mit
Kindern spielst.
- Mehrere Würfel, auf die du
schreiben oder Matrizen aufkleben kannst. Auf jede Matrize schreibst du
jeweils ein Wort. Du solltest die Würfel nach Wortgruppen aufteilen:
Hauptwörter, Tunwörter, Wiewörter, Präpositionen, persönliche Fürwörter,
Bindewörter und so weiter. Für Spieler mit größeren Kenntnissen können auch
zum Beispiel Artikel, Tunwörter oder Wiewörter in verschiedener Deklination
oder Konjugation und Zeitform angefertigt werden. Im Allgemeinen zählt jedes
Wort einen Punkt, es ist aber auch möglich, schwereren Wörtern mehr Punkte
oder leichteren Wörtern negative Punktzahlen zu geben.
Das Spiel kann beginnen.
Jeder Mitspieler bekommt eine Figur, die er auf das Startfeld stellt. Die
Spieler würfeln einer nach dem anderen und müssen jetzt versuchen, mit den
auf der Oberseite der Würfel stehenden Wörtern Sätze und dazugehörige
Nebensätze zu bilden. Spielt ihr mit wenigen Würfeln, hat der Spieler das
Recht, eigen Begriffe hinzuzufügen, natürlich ohne dafür Punkte zu bekommen.
Die Punkte der benutzten Wörter werden zusammengezählt und die Figur des
Spielers darf so viele Felder vorrücken. Gewinner ist, wer als erster das
Ziel erreicht hat.
Noch einige Hinweise: Sollte
der Wissensunterschied, besonders bei kleineren Kindern zu groß sein, ist es
ratsam, mehrere Figuren als Spieler zu benutzen, wobei keine Figur einen
einzelnen Mitspieler repräsentiert, sondern die Kinder werden der Reihe nach
gebeten, einen Satz zu bilden. Hierbei werden die Kinder natürlich ihrem
Lieblingstier die Daumen drücken, bekommen aber nicht das Gefühl der Verlierer
zu sein, wenn ihr Liebling nicht gewinnt und verlieren so den Spaß am Spiel
nicht. Auf die absolute Richtigkeit der Sätze, Satzordnung, Deklination,
Konjugation und so weiter sollte bei Anfängern, also Kindern, kein so großer
Wert gelegt werden, weil sie durch das Spiel ermutigt werden sollen, das
bisher gelernte ohne Hemmungen in die Praxis umzusetzen. Die Anzahl der
Würfel kann nach Belieben gesteigert werden. Zu oft gebrauchte Wörter sollten
eine niedrigere oder gar negative Punktzahl erhalten.
Viel Spaß beim Spielen!
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Thursday, 23 March 2017
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207) Kleinere Schriften IX 1) Sie alle wollten dem kleinen Mann sagen,
was wirklich Sache ist! 2) Wer ist hier wohl der Sklave?
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207 Kleinere Schriften IX
1) Sie alle wollten dem
kleinen Mann sagen, was wirklich Sache ist!
2) Wer ist hier wohl der
Sklave?
Sie alle wollten dem kleinen
Mann sagen, was wirklich Sache ist!
Jahrhundertelang donnerte
der Pfarrer von der Kanzel auf die in der Kirche versammelten herunter:
„Fürchtet Gott, er wird euch vor dem Bösen, dem Teufel, bewahren!“ Die Sonne
war gerade aufgegangen und schien durch die Fenster der Sakristei im Osten
der Kirche. „Seht die Herrlichkeit Gottes!“ – schrie der christliche Priester
und zeigte nach Osten. Dort war alles vergoldet und versilbert, was das Sonnenlicht
nur noch verstärkte. Bei wolkigem Himmel wurden dort zehntausend Kerzen
aufgestellt. Mit geblendeten Augen und offenem Mund blies ihnen dann von
hinten die Orgel noch erschreckende Töne ins Genick. Natürlich fühlten sich
die Armen wie in Trans. „Unter uns gibt es Hexen und Ketzer.“ – stellte der
Wilde auf der Kanzel fest. „Wir müssen sie auf dem Scheiterhaufen verbrennen,
um sie zu säubern. Rothaarige und Juden sind besonders gefährlich, weil sie
den Jesus gequält haben. Dazu behaupten die noch, dass wir Götzen anbieten,
und wollen nicht verstehen, Vater, Sohn und der Heilige Geist sind doch eins.
Wissen die nicht, drei ist eins? Dabei hob er seine Hand in die Höhe und
streckte alle fünf Finger aus. „Im Frühjahr ziehen wir dann in den heiligen Krieg,
um Jerusalem von den Heiden zu befreien!“ Der Rest der Predigt erfolgte auf
Lateinisch, damit es auch wirklich niemand verstand, meist nicht einmal der
Schreier im schwarzen Kittel.
Der ungarische
Regierungschef von 1913-1917, Tisza István, sprach sich gegen das „allgemeine
Wahlrecht“ aus, weil er die Bewohner nicht für pflichtbewusst genug hielt, um
verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Später sollte er Ungarn in die
Katastrophe des ersten Weltkrieges führen.
Die führenden politischen
Kreise der 1930-er Jahre unternahmen nichts gegen Hitler, Mussolini, Horthy,
entzogen der demokratischen, spanischen Regierung ihre Unterstützung und
lieferten sie auf diese Weise Franco und den faschistischen Ländern aus, weil
sie dachten, dass es nicht Schlimmeres gebe, als die Volksherrschaft. Später
mussten dieselben herrschenden Kreise die größte Gefahr in den
nationalistischen, rechtsgerichteten Diktaturen erkennen, im zweiten
Weltkrieg.
Von Plattenfirmen, Verlagen,
Filmherstellern wird uns immer wieder gesagt, man müsse Kunst erlernen. Dabei
setzt man uns Hollywood, Harry Potter, Michael Jackson und ähnlichen Blödsinn
in der Malerei vor. „Friss das, du dummer Bürger!“
Wie lange wollen uns diese
Neunmalklugen noch an der Nase herumführen.
Wer ist hier wohl der
Sklave?
Ich war fast achtzehn, da
stellte ich mir die Frage, ob ich so leben wollte, wie alle anderen. Immer
stärker wurde der Drang in mir, auszusteigen, einfach alles und alle
zurückzulassen. Die Reaktionen meiner Umgebung kamen prompt: „Du fliehst doch
nur vor dem Leben!“, „Du wirst in irgendeine Sekte hineinrutschen, und die
machen dich dann fertig. Die haben ihre Methoden und Mittel, um dich zum
Sklaven zu machen.“ Oder: „Aha, die Droge ruft dich! Du wirst dann vor den
Schulen stehen und kleinen Kindern dieses Zeug verkaufen!“
Nun, wie sieht die Sache im
Jahre 2017, also mehr als dreißig Jahre später, in Europa aus?
Neofaschistische Bewegungen werden immer stärker, Diktaturen entstehen
innerhalb der Europäischen Union, Rassismus fordert große Opfer. Und die
Leute, die mich damals kritisierten? Tja, die sind zu Leisetretern geworden,
weil sie Angst haben, ihre jämmerliche Existenz zu verlieren. Die haben ihre
Grundsätze für ein Auto, eine Wohnung und einen Urlaub pro Jahr verkauft. Die
fragen nicht, ob ein Gesetz gerecht ist, sondern halten es einfach ein, aus
Angst. Sie sind Sklaven geworden, einer Droge, für die sie alles opfern
würden. Oder noch schlimmer, sie sind aktive Teile dieser autoritären
Systeme, wollen selbst Sklavenhalter sein.
Ich bedaure sie sehr. Ich
scheine der einzige zu sein, der fähig und bereit ist, für seine Grundsätze
zu kämpfen.
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