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228 Kleinere Schriften XXVII 1) „Alt werden“ 2) Der Wein und seine
sechzehn Grad 3) Prüfungen zur Aufnahme in den Staatsdienst 4) Ordnung oder
Chaos
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1) „Alt werden“
2) Der Wein und seine
sechzehn Grad
3) Prüfungen zur Aufnahme in
den Staatsdienst
4) Ordnung oder Chaos
„Alt werden“ bedeutet zu
denken, dass es nichts Neues zu entdecken gibt!
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Der Wein und seine sechzehn
Grad
Wer hat nicht schon
Weinkellner und –kenner gehört, die schwören, der Wein entfalte seinen vollen
Geschmack bei sechzehn Grad. Sei er kälter, so betäube er Gaumen und
Geschmacksnerven im Mund, Rachen und Speiseröhre, sei er wärmer ….., naja es
ist ja keine Suppe. Und hier habe ich den restlichen Blödsinn vergessen, weil
es auch ganz uninteressant ist. Warum genau sechzehn Grad? Wären vierzehn,
fünfzehn, siebzehn oder achtzehn Grad wirklich ein so großes Problem. Wir
essen die Fleischsuppe heiß, jede Form von Eis fast gefroren, heißen Glühwein
im Winter, von fünf bis fünfzig Grad kann da alles gefunden werden.
Vor der Erfindung des
Kühlschrankes befanden sich Milchgeschäfte und andere Läden, die sich mit dem
Verkauf von leichtverderblichen Waren beschäftigen, meist im Keller oder
Souterrain eines Hauses, weil es dort kühl ist. Und befindet sich der Keller
ganz unter der Erde, so gibt es Sommer wie Winter ständig sechzehn Grad. Was
würde wohl geschehen, sollte man diese Räumlichkeiten heizen oder kühlen
müssen, um vierzehn, fünfzehn, siebzehn oder achtzehn Grad zu erreichen? Und
so hören wir auch weiterhin die „neunmal klugen“ Erklärungen der praktischen
Weinkenner.
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Prüfungen zur Aufnahme in
den Staatsdienst
Wie finden Unternehmen die
geeigneten Mitarbeiter? Größere Firmen haben dafür einen Einstellungstest,
der dem persönlichen Gespräch vorausgeht. So ist dies auch beim Staatsdienst.
Die zu lösenden Aufgaben oder Fragen richten sich natürlich nach den Fähigkeiten,
die bei einer gewissen Tätigkeit erforderlich sind. Das sollte man doch
eigentlich meinen! Aber beim Staatsdienst werden vor allem Fragen gestellt,
die sich mit Geschichte beschäftigen, zum Beispiel, welcher König wann sein
Land groß machte.
Wie wird in den Schulen
Geschichte unterrichtet?
Wenn ein König oder
Staatsmann erfolgreich war, das Staatsgebiet vergrößerte, einen reichen Hof
führte und vielleicht noch die Künste unterstützte, um seine prachtvollen
Paläste mit allem möglichen Glitzer zu schmücken und füllen, zeigt man den
Schülern diese Gebäude und zählt ihnen die strategisch wichtigen Schlachten
auf, hält ihnen Bilder von riesigen Grabmälern (Pyramiden) vor die Nase. Natürlich
informiert man diese Lernenden nicht darüber, wie viele Untertanen dafür ihr
Leben lassen mussten. Es wird ihnen ein selektives Wissen vermittelt, man
möchte in den zukünftigen Staatsbürgern nur den Nationalstolz erwecken. Auch
im Staatsdienst werden nur solche gebraucht, selbständig Denkende, gar
Erneuerer oder aufständische Typen sind unerwünscht.
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4) Ordnung oder Chaos
Es ärgert mich! Ich habe
wieder nicht aufgepasst. Es war nicht sehr teuer, nur einen halben
Stundenlohn, aber es funktioniert nicht. In einem Staat mit Ordnung würde so
etwas nicht passieren. Man müsste es nicht zurückbringen, weil der Laden
nicht einmal versuchen würde, so etwas an den Mann zu bringen. In einem Staat
mit Ordnung bekommt einer nur dann eine Arbeitsstelle, wenn er eine Wohnung
hat, eine Wohnung nur dann, wenn er ein Konto hat, und ein Konto nur dann,
wenn er eine Arbeitsstelle hat. Und was passiert, wenn einer einmal
ausrutscht und aus der Ordnung herausfällt? Einer ist ein begabter Musiker,
Schriftsteller, Handwerker, Psychologe …… Dann kann er in der Ordnung nur
dann erfolgreich sein, wenn er die dafür nötigen Schulen, Ausbildungsplätze
oder Universitäten, also die von diesem Staat anerkannten
Ausbildungsinstitute, besucht. Hat er das nicht gemacht, kann er sich sein
Brot nur mit zweitrangiger Arbeit verdienen. Es ist auch nicht sicher, dass in
einer Ordnung alles immer wirklich richtig funktioniert.
Graue, wirtschaftliche Zonen
sind nötig, weil sich eine Ordnung ohne Hintertüren selbst funktionsunfähig
machen würde.
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Tuesday, 15 May 2018
Friday, 11 May 2018
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227 Kleiner Schriften XXVI / Athen, Descartes, Adam Smith, Marquis de
Sade, Charles Darwin, Schopenhauer / Der emanzipierte Einzelne als Grundlage
von Demokratie und Wohlstand
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Athen, Descartes, Adam Smith,
Marquis de Sade, Charles Darwin, Schopenhauer / Der emanzipierte Einzelne als
Grundlage von Demokratie und Wohlstand
Was war wohl passiert, dass
die Athener plötzlich entschieden, sich nicht mehr einem König zu
unterwerfen, sondern ihr Geschick in die eigenen Hände zu nehmen,
selbstverantwortlich zu handeln? Um sich herum konnten sie sich kein Beispiel
nehmen. Auch ihre eigene Gesellschaft war alles andere als ideal, nur
besitzende, freie, männliche Mitglieder der Gemeinschaft nahmen an den
Entscheidungsverfahren teil, nach dem Grundsatz: „Wer ein Interesse hat,
handelt verantwortungsbewusst!“ Ein Widerspruch der Geschichte: Leute, die
selbst Sklaven hielten, wollten für sich selbst entscheiden. Vielleicht
stellten sie auch vor, auf ihrem Bauernhof ein kleiner ungekrönter König /
Herrscher zu sein.
Kann ein Sklave langsam zu
einem selbständigen Einzelnen werden oder erzogen werden?
Im alten Ägypten ließen sie
sich mit dem toten Pharao in die Totenkammer der Pyramide einmauern und
begraben, in der Hoffnung diesem, so wie im Dieseits, auch im Jenseits zu
dienen. Sie waren mit ihm auf Leben und Tod verbunden. War der Pharao
gestorben, ging das Leben auch für sie zu seinem Ende.
Nach der Republik machten
die Römer wieder ein paar Schritte zurück. Vielleicht war es weniger
schlecht, nur von einem und dessen Handlangern ausgeraubt zu werden, als
mehrmals von verschiedenen Interessengruppen, bei der jeder den Gott auf
Erden spielte.
Auch der Monotheismus geht
in diese Richtung, im Gegensatz zum Polytheismus muss nun nur noch einem Gott
ein Opfer, oder besser Tribut, abgetreten werden. Irgendwann hatte der
Einzelne genug und behielt alles für sich.
Aber im Mittelalter führte
dies zuerst zu einer noch innigeren Bindung zu nur einem Gott, der Einzelne
selbst gehörte dem Gott, der Kirche (Thomas von Aquin: „Ich bin, weil Gott
mich geschaffen hat!), dem Lehnherrn, dem König.
Erst Descartes fand wieder
zu sich selbst zurück, ein Aristokrat, der es schwerlich verkraftete, dass
jemand über ihm stehen sollte. Aber sein „Cogito, ergo sum!“ war gefährlich,
dies kam eigentlich einer Gottesverneinung/ leugnung oder Gotteslästerung
gleich. Doch es war nötig, damit der Mensch sich emanzipieren konnte. Das
sollte der erste, wirkliche Schritt dazu sein, während die Welt noch immer
von Gott und König geführt und geregelt wurde.
Als Adam Smith in seinem Werk „The wealth of
nations“ erklärte, die Entwicklungen in der Wirtschaft würden sich
gegenseitig ausgleichen, wollte und konnte ihn keiner verstehen. Unverständlich:
Etwas reguliert sich selbst! Schon grammatikalisch klang das zu jener Zeit
absurd. Sprachen, wie das Deutsche, benutzen hier den Doppelreflektiv „sich
selbst“. Seine Zeitgenossen begnügten sich mit der bildlichen Darstellung „invisible
hand“.
Die Abhängigkeit zwischen
Gott / König und Untertanen wird bei Marquis de Sade noch deutlicher: Ein Gott
/König / Aristokrat würde sich niemals bei einem Normalsterblichen für etwas
entschuldigen. Verzeihung gibt es nur unter Gleichberechtigten.
Charles Darwin schneidet
dann die letzte Kette durch: Zur Evolution brauchen wir keinen Gott.
Schopenhauer setzt das
Pünktchen auf das „i“: Gott ist das vergrößerte Abbild des Menschen (also nur
ein Hirngespinst).
Danach konnten Frauen,
Afrikaner, Asiaten, Indianer, Homosexuelle, Leute mit körperlichen und
geistigen Nachteilen gleiches Recht erhalten.
Und wo lebt der Mensch wirtschaftlich
am besten, am längsten, aber nicht am glücklichsten?
Natürlich in Demokratien! Und
dort ist das Leben am schwersten, weil man / frau denken muss.
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Monday, 7 May 2018
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226 Kleiner Schriften XXV 1) Wenn die Dummheit denkt 2) Berufe der
Zukunft 3) Neugierde, Neid, Stolz und Eitelkeit
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1) Wenn die Dummheit denkt
2) Berufe der Zukunft
3) Neugierde, Neid, Stolz
und Eitelkeit
1) Wenn die Dummheit denkt,
dass sie die Elite ist.
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2) Berufe der Zukunft
Die Technik (griechisch:
Fähigkeiten) mach unser Leben leichter und bequemer, wie sie uns wortwörtlich
die Arbeit abnimmt. Auf einer gewissen Stufe macht sie gar Arbeitskräfte
überflüssig, da diese durch Maschinen ersetzt werden können. Es gibt
eigentlich keine Tätigkeit, in der auch nur die kleinste Wiederholung
vorkommt, die eine Maschine oder ein Programm nicht schneller oder gar besser
erledigen könnte. In sehr modernen Krankenhäusern wird nur noch der Plan des
Eingriffes ausgearbeitet, alles andere wird von Robotern ausgeführt. Selbst
für Ballsportarten sind Roboter geeignet. Stellen wir uns Firmen vor, die wie
bei Formel 1 ihre neueste Entwicklung ausprobieren und bekannt machen.
Aber was sind Berufe, die
eine Maschine nicht kann? Werden wir bald alle arbeitslos? Ich erwähnte
schon, dass Wiederholung und Kreativität hier eine entscheidende Rolle
spielen, und vor allem der Umgang mit Menschen. Psychiater, Psychologen,
Personaltrainer. Der Mensch hat ein Verlangen danach, dass man sich mit ihm
beschäftigt, wir sind der Mittelpunkt unserer eigenen Welt. Und dann
natürlich der Lehrer! Jedem Kind werden mehrere Lehrer zur Seite stehen,
später sogenannte Berater. Nur jeder tausendste, der durch Phantasie und
Erfindungsgeit herausragt, bekommt die Aufgabe, Neues zu entwickeln.
Neues? – Natürlich! Neue
Wünsche, Möglichkeiten, Bedürfnisse. Das sind die einzigen Dinge, zu denen
Maschinen nicht fähig sind. Sie haben keine Träume oder Vorstellungen über
die Zukunft.
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3) Neugierde, Neid, Stolz
und Eitelkeit
Zeus (Kronides) schaffte es
einfach nicht, seiner Frau Hera treu zu sei, immer wieder ließ er sich von
der Sucht nach junger Schönheit besiegen. Eines seiner Opfer war eine
Königstochter namens Semele, der er als schöner Jüngling erschien. Welcher
Mann stattlichen Alters rühmt sich nicht auch heute gern, bei jüngeren
Mädchen anzukommen, um den Neid anderer zu erwecken. Semele war nicht weniger
eitel, um sich der männlichen Schönheit und reichen Kleidung hinzugeben. Sie
hätte nun ihr glückliches, nächtliches Leben genießen können, wäre sie nicht
auch stolz gewesen. Sie musste es unbedingt jemandem erzählen. Der Legende
nach sprach sie mit ihrer alten Hebamme darüber, aber wir können fast sicher
sein, dass sie sich wohl ihren Gespielinnen anvertraute, die sie beneiden
sollten. Dies taten jene auch und verlangten sogleich Beweise. Semele zwang
nun den obersten Gott, der sich natürlich weiterhin mit seiner Schönen vergnügen
wollte, sich zu erkennen zu geben, seine Größe und Macht zu zeigen. Als
einfacher Jüngling war er zärtlich und lieblich, aber als Gott mit seinem
Blitz in der Hand verbrannte sie neben ihm.
Die griechische Mythologie ist voll von
Halbgöttern, die natürlich von irgendeinem menschlichen und einem göttlichen
Partner geboren werden mussten. Und Amor verletzte mit seinen lieblichen
Pfeilen nicht nur andere, sondern war manchmal so ungeschickt in die eigene
Grube zu fallen. In dieser Geschichte verliebte er sich in die hochgeborene,
schöne Psyche. Er konnte sie, oder sie ihn, nur in der Nacht unsichtbar oder
ungesehen genießen, Sie hätte mehr fühlen und nicht sehen müssen. Doch ist
eine Freude erst dann richtig groß, wenn man / frau um sich beneidet wird,
deshalb berichtete sie ihren Schwestern davon, die ihr dann das Glück
verderben wollten. „Wenn ich nicht glücklich bin, soll es ein anderer auch
nicht sein!“ Als nun Amor wieder einmal nach einer mannprüfenden Bettschlacht
erschöpft neben Psyche niedergesunken war, stand sie auf und entzündete eine
Öllampe. Entzückt von dem Anblick hielt sie die Lampe unvorsichtigerweise ein
wenig schief, so dass heißes Öl auf den Arm des Schlafenden tropfte, worauf
er erwachte. Erkannt konnte er nun nicht mehr bei ihr verweilen. Erst nach langen
Abenteuern bekam die Trostlose ihren Geliebten wieder.
Im Mittelalter bot die öffentliche Meinung den
Liebenden keine besseren Eigenschaften. Woher hätte man / frau solches auch lernen
sollen, wenn eine katholische Kirche ihnen immer vor Augen hielt, wie
schlecht sie seien und sowieso nur in einem Jammertal schmachteten? Als
Lohengrin im Ritterkampf seine Elsa aus den Fängen des Gottesgerichtes
befreite, legte er ihr zwar nahe, ihn nie nach seiner Herkunft oder seinem
Namen zu befragen, doch nach glücklichen Flitterwochen konnte sie vor dem
Altar der eigenen Neugier und dem Drängen der anderen nicht weiter widerstehen.
Gezwungen zur Antwort verabschiedete er sich. So verlor sie ihn, bevor sie
seine Zärtlichkeit erst richtig hätte auskosten können. Und wie der elende
Jesus, musste auch sie vor Trauer zugrunde gehen.
Heute sollte man / frau doch
hoffentlich etwas gelernt haben, nicht wahr?
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Thursday, 5 April 2018
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225 Kleiner Schriften XXIV 1) Versailles / Trianon oder die
Hirngespinnste des einfachen Volkes 2) It isn’t easy 3) Sucht ist, etwas 4)
Der Status des 5) Weist die Besonderheit 6) Es ist verständlich 7) Für manche
Leute 8) Es gab eine Zeit 9) Sollte jemand Unrecht haben 10) Man sagt dir
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1) Versailles / Trianon oder
die Hirngespinnste des einfachen Volkes
2) It isn’t easy
3) Sucht ist, etwas
4) Der Status des
5) Weist die Besonderheit
6) Es ist verständlich
7) Für manche Leute
8) Es gab eine Zeit
9) Sollte jemand Unrecht
haben
10) Man sagt dir
1) Versailles / Trianon oder
die Hirngespinnste des einfachen Volkes
Die Bauern und ihre Frauen
waren gerade draußen bei der Feldarbeit, die alten und Kinder in den Häusern oder
den Gärten um die Häuser beschäftigt, als die Kirchenglocke ertönte. „Was ist
passiert? Ein Brand? Oder der Kirchendiener, der wieder einmal zu tief ins
Glas geschaut hat?” Solche und ähnlich Fragen stellten sich die Dorfbewohner,
während sie alles stehen und liegen ließen, um auf den Marktplatz vor der Kirche
zu eilen.
Auf dem Balkon des
einstöckigen Rathauses rechts von dem Gotteshaus erwartete sie ein
Staatsbeamter. Als sich der Platz gefüllt und der Pfarrer das Gefühl hatte,
dass alle anwesend waren, erhob er das Wort, um die durcheinanderredenden zur
Stille zu bewegen. „Der hohe Staatsbeamte der Republik hat euch etwas zu
sagen!“ – fing er an. „Es lebe der Kaiser! Nieder mit den Franzosen, Juden
und Bolschewiken!“ – ertönte es aus der Menge. Anscheinend hatte sie noch keiner
darüber informiert, dass der Kaiser ein Jahr vorher abgedankt hatte. Naja,
Berlin war weit weg und für die Bayern war ein Leben ohne König oder Kaiser,
wie eine Mahlzeit ohne Brot.
„Deutschland ist verloren!“
begann der Staatsbeamte. „In Versailles wurde entschieden, dass unser
Heimatland wirtschaftlich wichtige Gebiete an die Siegermächte abtreten
muss!“ „Versa? Was? Obersdorf (eine Ortschaft zehn Kilometer weit von unserem
Dorf der Geschichte entfernt) kommt zu den Franzosen? Niemals! Der Krieg ist
noch nicht verloren!“ Schrie ein alter Graubart, der sich vorsichtshalber in
Schale, also in seine alte Gefreitenuniform, geworfen hatte. Als
siebzehnjähriger hatte er in den Jahren 1870/71 an dem Feldzug gegen
Frankreich teilgenommen und sich so tapfer geschlagen, dass er einen Arm und
ein Bein verlor, eine Auszeichnung bekam und seither von der Dorfgemeinschaft
verehrt und versorgt werden musste. „Wir werden den Franzus bis nach
Hinterdorf zurücktreiben. Dort bin ich geboren, das geb ich nicht her.“
2) It isn’t easy to be great or grand. All small people
always want to hide behind you!
3) Sucht ist, etwas nicht
aufhören/aufgeben zu können und (obwohl es nicht mehr glücklich macht.) sich
dabei aber nicht glücklich zu fühlen.
4) Der Status des weisen
Ratgebers hat einen Vorteil und einen Nachteil. Er kann als Außenstehender
den Geschehnissen zusehen. Er muss als Außenstehender den Geschehnissen
zusehen.
5) Weist die Besonderheit,
mit der eine Schrift auf mich wirkt, darauf hin, dass es mir an
zwischenmenschlichen Beziehungen mangelt und ich Anregungen aus diesen durch
jene ersetze?
6) Es ist verständlich, dass
es Leute gibt, die gerne anderen Befehle geben oder jene unterdrücken. Aber für
einen Freigeist ist es ganz unverständlich, dass es auch solche gibt, die
sich gerne unterdrücken oder Befehle geben lassen, damit ihnen gesagt wird,
was sie zu tun hätten.
7) Für manche Leute ist es
sehr schwierig, sich an die Spitze einer Gruppe zu stellen, und dabei aber Demokrat
zu bleiben.
8) Es gab eine Zeit, ich
bemühte mich, den Erwartungen der Gesellschaft zu entsprechen, aber ohne
größeren Erfolg, man wollte mich nicht haben.
Dann wandt ich mich ab. Man
bestrafte mich und rief mir zu, dass ich sowieso bald zurückkehren werde. Sie
wählten einen Hitler, Horthy, Mussolini und schämen sich nicht einmal dafür.
Sie wählen heute, im Jahre zweitausendachtzehn, wegen der Einwanderer aus
Afrika und Asien wieder AFD oder Orbán, weil sie aus der Geschichte nichts
gelernt haben. Aber es interessiert mich nicht mehr, was die Gesellschaft
denkt. Und dann kamen sie, verlangten meine Anerkennung, später wollten sie
sie. Sie haben Angst, dass ihr System zusammenbricht. Jetzt bitten sie mich. Ich
brauche sie aber nicht. Wie erbärmlich sie doch sind!
9) Sollte jemand Unrecht
haben, kann versucht werden, ihn zu verstehen, indem man seine Herkunft oder
den Werdegang seiner Gedanken in Betracht zieht. Diese werden mildernde
Umstände genannt. Aber entschuldigen kann ihn deshalb trotzdem nicht.
10) Man sagt dir, dass man
dich liebt und nur das Beste für dich will. Wäre man wirklich daran
interessiert, würde man in Betracht ziehen, ob du dich dabei auch wohl fühlst.
Aber man möchte nur, dass du dich eingliederst. Man gibt dir das Gefühl, dass
man sich für dich schämen muss. Dass diese Leute sich nicht für sich selbst
schämen, bringt mich immer wieder in Verwunderung.
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Friday, 16 February 2018
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224 Kleiner Schriften XXIII 1) Zufällig getroffen 2) Es gibt nur wenige
Dinge 3) Frauen und ihre Männer
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1) Zufällig getroffen
2) Es gibt nur wenige Dinge
3) Frauen und ihre Männer
1) Zufällig getroffen
Ein schöner Tag für einen
Spaziergang, und kein besonderes Vorhaben. Ich setzte mich auf eine Bank im
Park und begann, zu lesen. Das Buch war nicht so interessant, aber man legt
kein Buch weg, das nicht zu schlecht ist und schon zur Hälfte gelesen ist.
Die Hunde oder Spaziergänger, die an meiner Bank vorbeigingen, bemerkte ich
kaum.
Doch dann hatte ich das
Gefühl, dass mich jemand anschaut. Ich hob langsam den Blick. Zuerst Füße und
Beine, eine Frau, ein Herbstmantel, ganz elegant, dann blonde, kurze Haare.
Sie lächelte. Ich suchte in meinem Gedächtnis. Wahrscheinlich bemerkte sie die
Lücke in meinen Erinnerungen. Ein Vorname und ein Ort wurden mir genannt. Die
Suche in meinen Gehirngängen ging weiter. Ja, nun hatte ich etwas gefunden:
„Vor fünfundzwanzig Jahren?“ – „Richtig!“ – kam die Antwort. Ich wollte
aufstehen, aber sie hatte sich schon gesetzt. Vielleicht wollte sie eine
Umarmung umgehen, obwohl meine Überraschung noch immer zu groß war, um dies
zu vollbringen. Ungefähr fünfundzwanzig Jahre früher hatte es in meinem Leben
ein Mädchen gegeben, weder sehr lange, noch sehr prägend. Man würde das eine
Liaison nennen, ich hatte auch nie viel an sie gedacht.
„Wie geht’s?“ – fragte sie.
„Gut, danke. Und dir?“ – „Gut.“ Ihr Tonfall veranlasste mich zu der
Bemerkung: „Das klingt nicht sehr überzeugend.“ – „Das sollte es auch nicht
sein!“ – kam ihre Antwort langsam.
Jetzt begann sie, zu
erzählen. Meine Gedanken kreisten um ihre Erscheinung. Fünfundzwanzig Jahre
hatten auch sie geprägt, eine reife Frau, vielleicht ein bisschen überreif,
aber noch nicht faul, auf keinen Fall. Sie hatte geheiratet, eine Tochter,
die bereits im Ausland studierte, und ihr Mann mit Karriere.
Sie hatte ein paar Beiträge
und Musikstücke von mir im Internet gelesen und gehört. Nun funkelten ihre
Augen. „Wenn du so weitermachst, wirst du noch bekannt.“ Berühmte Leute trifft
man nicht an jeder Straßenecke. „Du musst ein sehr interessantes Leben
haben.“ – „Es ist sehr abwechslungsreich, aber sehr unsicher.“ – Sie dachte
kurz nach: „Du lebtest auch vor fünfundzwanzig Jahren schon so und hast dich
nicht geändert.“ Und jetzt fiel mir der Grund für unsere baldige Trennung ein
und ich sagte lächelnd. „Es war für dich auch damals ein Problem, dass man
mit mir nicht repräsentieren kann.“
Nach ein paar weiteren
unbedeutenden Sätzen verabschiedeten wir uns. Sie ließ mich mit meinem Buch
allein. Es ging so schnell, dass ich wieder keine Gelegenheit hatte,
aufzustehen.
2) Es gibt nur wenige Dinge,
bei denen wirklich ein Rückgrat gezeigt werden muss. In sonstigen Fällen
spielen Schwächen keine Rolle.
3) Frauen und ihre Männer
In dem Buch „Kamasutra“ geht
es nicht um die Beschreibung von hundertfünfzig verschiedenen Stellungen. Vor
zweitausendfünfhundert Jahren befriedigten die Freudendamen ihre Kundschaft
mit dem Mund. Dadurch war eine Erkrankung der Frau, oder Verbreitung von
Geschlechtskrankheiten weitgehend ausgeschlossen (Es gab damals noch kein
Aids.). Ein weiser wird zitiert, der behauptet, dass Frauen eigentlich keinen
Orgasmus hätten.
In einigen afrikanischen
Ländern wird den Mädchen zwischen dem achten und zehnten Lebensjahr noch
heute der Klitoris herausgeschnitten. Sie sollen beim Geschlechtsverkehr
weniger Freude empfinden und dadurch vor der Sünde des Fremdgehens bewahrt
werden. Ich frage mich, ob es die dortigen Männer nicht stört, dass ihre
Frauen beim ehelichen, sexuellen Akt selbstverständlich auch weniger Freude
fühlen und zeigen.
Natürlich ist es am Beginn
des einundzwanzigsten Jahrhunderts in Europa und Nordamerika nicht mehr ganz
so schlimm, aber eine Machomentalität beherrscht auch diese Regionen noch
immer, angefangen bei Lohnunterschieden bis zum Mutterschaftsurlaub. In
großen Kulturzentren, in denen Frauen finanziell unabhängiger sind, suchen
sie sich lieber einen feminineren Mann, vielleicht verstehe er sie besser.
Tatsache ist, dass Frauen
Kinder gebären und schon deshalb eine wesentlich tiefere Beziehung zu ihren
Kindern haben. Weiterhin wird es auch in der Zukunft für alleinerziehende
Frauen nicht leicht sein. Ein Partner könnte ihnen dabei sehr behilflich
sein. Die große Frage ist nur, wie man/frau so einen findet.
Es gibt viele Arten von
Männern. Die meisten Kinder aus erster Ehe stammen meist von einem Traummann,
mit dem es aber unmöglich war, ein gemeinsames Leben aufzubauen. Da ist dann
der andere, der sich leicht beeinflussen lässt. Doch so einem fehlt oft
Eigeninitiative, die Frau muss ihn erobern und er ist auch sonst mehr ein
Waschlappen, zwar pflegeleicht, aber totlangweilig. Und wenn man/frau
schließlich einen gefunden, ausgesucht und in ihren Bann gezogen hat, muss
sie diesem jeden Tag mehrmals das Gefühl geben, dass er der Traummann, der
einzige ist. Wahrscheinlich ist die Sache schwieriger mit einem Mann, als mit
Kindern, vor allem, weil Sprösslinge im Normalfall nicht einfach weglaufen.
Es kann den Frauen nicht verübelt werden, wenn sie mit dem Kopf und nicht mit
ihrem Herzen oder Geschlechtsteil (bei Männern heißt dies: schwanzgesteuert)
denken, oft sogar eine Rolle spielen. An Selbstverwirklichung ist hier sehr
oft nicht zu denken, ihre gesamte Aufmerksamkeit und Ideenreichtum müssen auf
dem Altar der Partnerschaft geopfert werden.
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Monday, 5 February 2018
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223 Kleiner Schriften XXII 1) Ducker und ihre Widersacher 2) Warum stehst
du so krumm da? 3) Von rosarot bis grau 4) Was ist das Geheimnis für eine
sehr lange Beziehung? 5) Ein Ungar und ein Jude
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1) Ducker und ihre
Widersacher
2) Warum stehst du so krumm
da?
3) Von rosarot bis grau
4) Was ist das Geheimnis für
eine sehr lange Beziehung?
5) Ein Ungar und ein Jude
1) Die Unauffälligen und
ihre Widersacher
Es kann nicht jeder ein
unscheinbarer Bürger werden, es muss auch ein paar Aufrührer darunter geben!
Diese Unsichtbaren hatten natürlich den Unzufriedenen ausgestoßen, weil sie
einfach denkfaul, falsche Moralisten oder Karrieristen gewesen waren. Die Schande
begann, als sie ihren Irrtum nicht eingestehen wollten, obwohl es eigentlich
offensichtlich wurde. Leider schreibt die Geschichtswissenschaft nichts über
diese Unauffälligen, da sehr viele zukünftige, sowohl Rebellen, als auch
Ducker und Angsthasen davon lernen könnten.
2) Warum stehst du so krumm
da?
Denkst du vielleicht, dass
man dich dann weniger schnell bemerkt. Du möchtest, dass ich meinen Kopf für
dich hinhalte und du später rufen kannst: Wir haben gewonnen. Steh doch
endlich gerade! Oder hast du kein Rückgrat? Du musst deshalb nicht sofort
anfangen, falsche Tränen zu verschwenden. Du bist nämlich nicht der einzige.
Solche Füßeküsser, wie du, bilden die große Mehrheit der Gesellschaft.
3) Von rosarot bis grau
Am Anfang eines
Verhältnisses ist es rosarot, alles im anderen gefällt einem. Man gibt dem
anderen das Gefühl eine richtige Frau, ein richtiger Mann zu sein.
Doch wenn der Gefühlssturm
langsam abflaut und die erste Kritik geübt wird, fühlt sich einer betrogen,
hat den Eindruck, dass alles nur gespielt wurde.
Vielleicht sind es diese
Enttäuschungen, die einen alt machen.
4) Was ist das Geheimnis für
eine sehr lange Beziehung?
- Beide Partner sollten aus
einer kinderreichen Familie kommen, um an das Gruppenleben gewöhnt zu sein.
- Sie sollten sofort nach
Verlassen ihres Elternhauses zusammenziehen, damit sie das Alleinsein erst
gar nicht kennenlernen.
- Beide sollten sehr
religiös sein, und deshalb auch gleich kirchlich heiraten.
- Es gilt nicht unbedingt
als Nachteil, wenn ein Großelternteil, meist die Seite des Mannes, auf mehr
oder weniger sanfte Weise langsam in den Hintergrund gedrängt wird, weil zu
viele Köche den Brei verderben.
- Nach dem ersten Jahr des
Zusammenlebens sollte das erste Kind geboren werden. Dies verstärkt das
Gefühl des Zusammengehörens.
- Bis zum fünften oder
sechsten Jahr kommen noch zwei oder drei Kinder. Dies verhindert die Bildung
von eigenen Interessen und Hobbys, macht die Familie sozusagen zum
Mittelpunkt ihres Lebens.
- Sie brauchen noch einen
Kredit für ein Haus, damit es ihnen auch finanziell unmöglich ist, sich zu
trennen. Außerdem können sie sich dann in ihr eigenes Leben ver- oder
einschließen.
Dies hat jahrhundertelang
funktioniert. Daraus entstammen Sippen, Stämme und deren Fehden. Der Feind
von außen verdeckt innere Zwiespältigkeiten.
Zwei ganz unabhängig
Denkende bleiben nie sehr lange zusammen.
5) Ein Ungar und ein Jude
Ich erzähle einem Ungarn
über ein Gespräch mit einem Juden. Dem Juden habe es das Gesicht verzogen,
als ich ihn darauf aufmerksam machte, man könne nicht einfach nach
zweitausend Jahren irgendwo hingehen und sagen, dass dies „unser Land“
(Israel) sei. Nun begann der Ungar, zu lächeln. Der Jude solle sich
vorstellen, dass es in Osteuropa Völker, wie die Ungarn gebe, die sagen, sie
wollten das alte Reich des König Mathias wiederhaben. An dieser Stelle des
Gesprächs verzog der Ungar sein Gesicht.
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