Wednesday, 2 August 2017

213) August 2, 2017 - Sie leben in einer Streichholzschachtel
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213
August 2, 2017
Sie leben in einer Streichholzschachtel
Die Sommerferien hatten gerade angefangen und obwohl ich erst siebzehn geworden war, entschied ich, meinen ersten Ausflug in die große Welt zu machen. Meine Jungfernreise ins Ausland führte mich nach Nizza. Ein wunderbares Gefühl, befreit von allem, was mir in meiner Heimatstadt zu eng geworden war. Bereits am dritten Tag hatte man mir mein Geld gestohlen. Aber ich hätte mich doch geschämt, sofort wieder nach Hause zu fahren. Von ein paar Obdachlosen, Deutschen und Franzosen lernte ich, wie man auch ohne Geld überlebt. Einer dieser Leute dort kam aus meiner Gegend und war nicht unbedingt erfreut, mich zu sehen. Fünfunddreißig Jahre später sollte ich verstehen, was der Grund dafür war. Wir saßen hier zwischen Monte Carlo und Cannes, zwischen Fürsten und weltberühmten Schauspielern und nun sprach da einer über eine deutsche Provinzstadt.
Fünfunddreißig Jahre später gab mir ein rechtsgerichteter Ungar ein von einem verarmten, deutschen Adligen geschriebenes Buch, in dem sich ein Kapitel mit einem Teil der Geschichte Ungarns und danach eines mit der von England beschäftigte. Deutsche Provinzstadt – Monte Carlo, Ungarn – England. Ich las das Kapitel über die Geschichte Ungarns und beschloss, ihm einen kleinen Vortrag über Geschichte zu halten.
Fünfhundert Jahre vor unserer Zeitrechnung wanderten germanische Stämme nach Europa ein. Sie verbreiteten sich vom Ural bis zum Rhein, von Skandinavien bis ins Karpatenbecken. Ungefähr tausend Jahre später kamen asiatische Stämme und verdrängten die Germanen aus ihren südlichen Siedlungsgebieten. Im siebten Jahrhundert verdrängten die Slawen die Germanen aus den östlichen Gebieten. Während die Ungarn am Ende des neunten Jahrhunderts einen Keil zwischen Nord-Ost-Slawen und Südslawen trieben, versuchten die germanischen Fürsten, das Vordringen der Slawen im Raum Polen und Tschechei zu verhindern. Im dreizehnten Jahrhundert suchten die Könige des Heiligen Römischen Reiches (Im neunzehnten Jahrhundert wurde der Name“ Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ geprägt.) eine neue Aufgabe für die aus dem Heiligen Land zurückgekommen Ritter, und schickten sie in die baltischen Gebiete. Jene bauten dort die Ländereien des Deutschen Ritterordens auf, wobei sie die dort ansässigen Slawen und Finn-Ugoren wie Sklaven behandelten (Daher der Begriff „sclavus“, der später ins Lateinische übernommen wurde.). Die Habsburger verrichteten das gleiche mit den Ungarn und Slawen in den östlichen Provinzen ihrer Donaumonarchie. Im späteren Geschichtsunterricht des deutschsprachigen Raumes nahmen diese Geschehnisse, neben den Kriegen mit Frankreich und denen in Italien, einen wichtigen Platz ein. Selbst Internationalisten wie Marx sahen im Slawentum eine Gefahr für die europäische Kultur (Später sollten die Chinesen die Rolle der Phantominvasoren übernehmen.) und unterstützte mit seinen Manifesten aus den Jahren achtzehnhundertachtundvierzig/neunundvierzig die Ungarn gegen die Habsburger und Slawen. Hitler machte sich dieses Hirngespinst zu eigen und propagierte seinen „Lebensraum im Osten“. Außerdem hatte sich der Kommunismus zuerst in Russland verwirklicht, was es den Faschisten leicht machte, diese Utopie mit dem Slawentum auf einen Nenner zu bringen.
In dem obengenannten Kapitel des Buches ging es auch noch um Ungarn, die in Amerika zum Beispiel die Filmindustrie bestimmten/überschwärmten. Er hatte nur vergessen, zu erwähnen, dass diese Leute zum Teil Juden oder Oppositionelle waren, die aus dem Horthy-Ungarn hatten fliehen müssen.
Weiterhin behauptet dieser verarmte, deutsche Adlige, dass die Ungarn durch die Öffnung der Grenzen für die deutschen Flüchtlinge neunzehnhundertneunundachtzig den Kommunismus zum Zusammenbruch gebracht, und sich so für die Ereignisse von Ende neunzehnhundertsechsundfünfzig revanchierten haben sollen. Würde ein Ungar einem Polen die Geschichte so auftischen, müsste er damit rechnen, dass der Pole ihn auslacht, hatte dieser doch zehn Jahre lang den Sowjets mit seiner Solidaritätsbewegung das größte Kopfzerbrechen bereitet, während der Ungar knapp ein halbes Jahr später bei den Mai-Paraden neunzehnhundertsiebenundfünfzig Kádár János feierte. Der Pole würde ihm vorwerfen, im ganzen kommunistischen Blog der größte Russenfreund gewesen zu sein und als Gegenleistung den höchsten Lebensstandard erhalten zu haben. Bei Geschichtswissenschaft dreht es sich nicht darum, wer sie wie auslegt, sondern um ein gemeinsames Einverständnis aller Beteiligten.

Diese Leute leben in einer Streichholzschachtel und sehen nicht, was um sie herum geschieht, und es interessiert sie auch nicht.
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Wednesday, 26 July 2017

212) Die Hexenjagd beginnt (Juli 2017)
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212
Die Hexenjagd beginnt (Juli 2017)
Seit Jahren arbeitet der Schriftsteller dieses Berichts an einem Blog, auf dem man kostenlos Sprachen lernen kann. Die Besucher des Blogs zieht vor allem das Deutsche, Englische, Französische und Spanische an, aber auch das Russische oder unbekanntere Sprachen, wie das Ungarische, gar eine tote, wie das Lateinische finden ihre Interessenten.
Wie man eine Sprache erlernen kann, dafür gibt es die verschiedensten Methoden und Vorstellungen. Bei dem genannten Blog wird nichts übersetzt, sondern alles anfangs durch Bilder, später durch in den früheren Lektionen verwendete Wörter erklärt. Auf diese Weise eignet sich ein Kind eine Sprache an, weil es ja nicht sprechend geboren wird. Ein besonders für den Blog angelegtes Wörterbuch führt den Lerner immer zu der Lektion zurück, in der das gesuchte Wort erstmals vorkommt. Am Anfang befindet sich eine Grammatik-Zusammenfassung, die auf der einen Seite dem Lerner helfen soll, auf der anderen aber die Ansichten des Autors widerspiegelt, der durch Jahrzehnte langes Studium und eigene Erfahrungen zu Schlussfolgerungen kam, die des Öfteren den an Universitäten und in Lehrbüchern gepredigten Dogmen widersprechen. Die Arbeit an diesem Werk ist überaus interessant, geht aber langsam voran, während der Linguist sich von Text zu Text, von Wort zu Wort, von einem grammatikalischen Schwierigkeitsbündel zum anderen begibt.
Eines Morgens, als er sich gerade an den nächsten lateinischen Text machen wollte, musste er feststellen, dass die Lektionen für diese Sprache für diese Sprache für Besucher nicht mehr erreichbar waren. Ein Schock durchfuhr ihn. War es einem Gegner gelungen, in das Blocksystem einzudringen und es zu blockieren? Wer könnte ein Interesse daran haben, genau die Aneignung einer toten Sprache verhindern zu wollen? Es gab dort weder politische Äußerungen, noch sprachen die geringen Besucherzahlen dieses Teiles des Blockkomplexes dafür, sich gerade darauf zu stürzen.
In seinen Einträgen und Artikeln dagegen machte er sich über politische Akteure lustig, kaum einer wurde verschont, Kirche, neofaschistische Parteien in Europa, Israel und so weiter. Er hatte sich viele Feinde und wenige Freunde geschaffen. Aber dies waren nicht die Sprachenblogs, sondern seine literarischen Werke.
Oder vielleicht ein Konkurrent auf dem Sprachenmarkt? Es gab sowieso schon viele Besucher in der ganzen Welt.
Die Werbung für den Blog hätte eigentlich viel gekostet, doch eröffnete bei Portalen, wie Facebook oder LinkedIn, um nur die wichtigsten zu nennen, immer wieder neue Konten, verschickte an tausende Privatleute seine Kontaktanfragen, wenn diese bestätigt wurden, konnte er diesen Leuten einen kurzen informativen Text mit dem Link zu seinem Blog schicken. Kamen die Portale aber dahinter, dass er für diese Art der Werbekampagne nicht bezahlte, blockierte man ihm kurzum die Konten. Jede Konkurrenz auf dem Markt war ihnen gefährlich, vor allem wenn es sich um einen Blog handelte, der endlich einmal etwas qualitativ Gutes herstellte.
Als nächstes sah er nach, ob vielleicht etwas mit dem Innenleben des Blogsystems passiert war. Da stellte sich heraus, dass Google selbst diesen Blog-Teil blockiert hatte. Er musste Google dankbar sein, dass es der Allgemeinheit so eine Möglichkeit bot. Aber musste nicht auch Google ihm dankbar sein, weil er mit seiner unbezahlten Arbeit nicht nur seinen Blog sondern auch Googles Suchsystem berühmt machte. Also, was steckte dahinter, was waren die Gründe?
Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen waren abgelaufen und ein Populist der schlimmsten Art hatte gewonnen, angeblich mit Hilfe von russischen Hackern. Rechtsgerichtete und Islamisten verbreiteten Schreckensnachrichten im Internet, sogar sonst eigentlich liberale Politiker und Medienakteure riefen nach Kontrolle dieses Mediums, die Panik war vollständig. Facebook, Twitter, LinkedIn, Google und andere wurden aufgerufen, ihre eigenen Portale zu „säubern“. Hatte denn aus der Geschichte niemand etwas gelernt? Im Mittelalter bestimmte die Kirche, was von den Mönchen vervielfältigt werden sollte. Dann tauchte ein Soros-Agent auf, der Erfinder des Buchdrucks, Gutenberg. Die Kirche, der König und Adel zeigten sich empört und warnten davor, dass das Volk nun schädliche Schriften lesen würde. Was für eine Parallele zur heutigen Zeit! Aber im einundzwanzigsten Jahrhundert müssten wir eigentlich wissen, dass der Buchdruck wesentlich zur Demokratisierung eines Teils der Welt beigetragen hat.
Aber Google widerstand der Versuchung nicht, dem Verlangen dieser ungebildeten Schreihälse genugzutun, sondern hatte ein Programm in Betrieb gesetzt, um alle Inhalte der Blogs durchzusehen. Dieses Programm war auf hundertfünfzig heute gesprochene Sprachen eingestellt und filterte alles als gefährliche Geheimsprache aus, was nicht in dieses Schema passte. Lateinische oder Sanskrit-Texte wurden nur dann akzeptiert, wenn sie mit den Namen Cicero, Horatius versehen waren. Aber sein Blog lehrte diese alte, würdige Sprache mit eigenen Texten ohne Übersetzung, und war deshalb im Sieb hängengeblieben. Wann wird der kleine Mann endlich erwachen und sich gegen diese Willkür auflehnen? Wem soll man die Macht und das Bestimmungsrecht geben, zu entscheiden, was wir lesen dürfen, ohne dabei Gefahr zu laufen, dass sich dies wieder zu einer diktatorischen Zensur auswächst?
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Friday, 30 June 2017

211) Die Olympiade der Tiere
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211
Die Olympiade der Tiere
Der Morgen graute schon, die ersten Vögel begannen ihren Gesang und der Affe schlief noch tief in einer Astgabel. Als das Getümmel um ihn aber immer heftiger wurde, riss es ihn doch aus den Träumen. Sein Gesicht verriet leichte Verärgerung, hatte er doch noch das Bild schöner Vorstellungen vor den geistigen Augen. „Man hatte ihn gerade zum Sieger über alle erkoren und sein Haupt mit Lorbeeren gekrönt.“
Der Traum war so wirklich gewesen, dass es ihn verwunderte, was er hier überhaupt auf der Astgabel verloren hatte. Die Züge verwandelten sich wieder in ein Lächeln. „Ich bin der Beste!“ Er brauchte nur noch Zuschauer, die klatschen würden. Deshalb begab sich der Affe zum Elefanten und stieß ihn an, mit seiner Trompete das Signal zur Versammlung zu geben. Es dauerte nicht lange, bis die Tiere des Waldes, der Steppe, der Luft und des Wassers aus allen Richtungen herbeigeeilt waren, um die gute oder schlechte Nachricht zu empfangen. Verschiedene Erwartungen zeichneten sich auf ihren Gesichtern ab. Dann kletterte der Affe auf den kleinen Felsen in der Mitte des Platzes und hob die Hände. Langsam wurde es still, man spitzte die Ohren. „Heute ist der große Tag der Olympiade der Tiere!“ Fragend sah man durch die Reihen, keiner wusste, was eine Olympiade sein sollte. „Ich bin der Beste!“ - fuhr der Affe fort. „Ich werde gegen jeden in seiner Fähigkeit antreten. Ich schwimme besser als der Fisch, fliege schneller als der Vogel.“
Die Verwunderung der Tiere wurde immer größer. Was hatte sich dieser eingebildete Affe wohl nun wieder ausgedacht. „Ich werde zuerst mit dem Frosch um die Wette hüpfen.“ Er kletterte vom Felsen herab, nahm einen Stock und zeichnete eine Linie in den lockeren Boden. Dann nahm er Anlauf und hüpfte. Alle waren erstaunt, dass der Affe solche Sprünge machen kann. Nun stellte sich das grüne Tier hinter die Linie, machte einen mittelmäßigen Satz und landete auf der anderen Seite des Platzes im Gebüsch, wo ihn niemand mehr sehen konnte. „Disqualifiziert!“ – schrie der Affe. „Die Jury hat entschieden, dass der Frosch disqualifiziert wird, weil er die Landebahn verlassen hat.“ Die Tiere verstanden nicht, was die Wörter „disqualifizieren und Jury“ meinten, für sie war klar, dass der Frosch viel weiter gehüpft war. Aber es wunderte sie auch nicht, als der Affe irgendeinen Pflanzenkranz (Lorbeer) auf seinen Kopf setzte.
Die Stimmung wurde eigentlich immer besser, die Sache fing an, den Tieren zu gefallen. Das nächste an der Reihe, war das Zebra. Der Affe und das Huftier stellten sich hinter die Startlinie. „Auf die Plätze, fertig, los!“ Der Verwandte der Pferde war schon bis zum Ziel und zurück gelaufen, als der Affe erst die Mitte erreicht hatte. Schnaufend lief er über die Ziellinie, drehte sich herum und dachte, dass er so schnell gewesen sei, dass das Zebra ihm nicht hatte folgen können. „Ich bin heute wirklich in Form.“
Der Fisch wartete bereits am Ufer auf seinen Wettbewerber. Der Affe warf sich in die Fluten und begann, wie wild mit den Armen zu schlagen. Die Schildkröte befürchtete, dass er ertrinken will, schwamm unter ihn und brachte den Durchnässten zum Ufer zurück. „Das ist Betrug!“ – beklagte er sich. „Das Panzertier hat mich am Schwimmen gehindert!“ Er hustete und spuckte so viel Wasser, dass niemand verstehen konnte, was er von sich gab.
Dann rannte er auf einen hohen Felsen. Die Tiere bekamen langsam Angst um ihn. Schnell spann die Riesenspinne ein Netz unter ihm, falls er auf den Gedanken kommen sollte, herunterzuspringen. „Ich fliege schneller als die Vögel.“ Und mit der Geschwindigkeit eines fallenden Steines näherte er sich dem Erdboden, genau in das elastische Gewebe der Spinne, das ihn immer wieder mit dem gleichen Schwung zurück in die Luft schleuderte. Jedes Mal, wenn es nach oben ging, rief er: „Ich fliege! Seht nur, wie ich fliege!“
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Friday, 12 May 2017

210) Kleinere Schriften XII 1) Sicherheit oder Angst? 2) Ein guter Schriftsteller … 3) Jetzt kann ich gehen. 4) Es ist leichter, … 5) Land und Glaube 6) Nicht der Staat
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210
Kleinere Schriften XII
1) Sicherheit oder Angst?
2) Ein guter Schriftsteller …
3) Jetzt kann ich gehen.
4) Es ist leichter, …
5) Land und Glaube
6) Nicht der Staat …

Sicherheit oder Angst?
In meiner Qualität als Sprachlehrer begebe ich mich, wenn der Schüler oder dessen Eltern oder Unternehmen es wünschen und auch zahlungsbereit sind, auch manchmal vor Ort, das heißt: in die Wohnung oder das Büro des zu unterrichtenden.
Mein Weg sollte mich diesmal in einen besonders exklusiven Teil der Stadt führen. Gemäß meiner Gewohnheit komme ich auch nie zu spät, vor allem, wenn ich den Weg nicht genau kenne, nicht weiß, wie stark der Verkehr ist. So stand ich also zwanzig Minuten zu früh vor dem Haus. Zehn Minuten vor der Stunde zu klingeln, ist meines Erachtens kein großes Problem, aber zwanzig ist bedeutend zu früh. Ich schaute mir die Klingeln mit den Namen genauer an, um sicher zu sein, dass es auch das richtige ist und entschloss mich, noch eine Runde zu machen und eine Zigarette zu drehen.
In zehn bis fünfzehn Minuten hatte ich mich ein paar hundert Meter entfernt und war auch wieder zurückgekehrt. Nun drückte ich den Knopf mit dem entsprechenden Namen, musste überhaupt nicht lange warten, bis mir geöffnet wurde, und trat ein. Das Hoftor war hinter mir ins Schloss gefallen, ich stand vor der Haustür und suchte den Knopf für die Eingangstür, als hinter mir ein Mann das Gartentor mit einem Schlüssel öffnete. Wir gingen zusammen ins Haus und in den Lift. Wortlos drückte er auf den Knopf für den dritten Stock und wir fuhren hinauf. Als ich ausstieg erwartete mich der Vater der Schülerin schon an der Wohnungstür. Ich weiß nicht genau, wer der Mann war, der mich begleitet hatte, aber vermute, dass er ein Angestellter eines privaten Sicherheitsunternehmens war. Wahrscheinlich sind dort die ganze Straße, der Hof, der Garten und vielleicht auch die Wohnungen mit Kameras versehen.
Sicherheit oder Angst?
Bei der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika oder der Olympiade in Brasilien kamen die Touristen mit dem Flugzeug, wurden mit Sonderbussen zuerst zum Hotel und dann jeden Tag zu den Stadien gebracht. Vom Land selbst sahen sie nichts, weil es angeblich zu gefährlich war. In den Stadien gab es keine Einheimischen, weil die Eintrittskarten für sie zu teuer waren.
Sicherheit oder Angst?
Bald werden sie auf Grönland, dem Südpol oder gar dem Mond kleine Städte mit Golfplatz, Supermärkten und Erholungsparks unter Glaskuppeln bauen, weil dorthin bestimmte keine gefährlichen oder fremden Leute kommen.
Sicherheit oder Angst?
Sie werden alles nur mit Bankkarte bezahlen, damit man ihr Geld nicht stehlen kann. Unter ihrer Haut werden sie einen Chip tragen, damit sie nicht verloren gehen.
Sicherheit oder Angst?
Und dann werden sie einen Hitler, Mussolini, Horthy oder Orbán unterstützen, der sie und ihre Rasse beschützen soll.
Das ist dann ihr goldener Käfig! Aus Sicherheit oder Angst? Wer weiß, ob sie selbst das wirklich wollen.


Ein guter Schriftsteller hat es nicht nötig, andere zu zitieren, er selbst verfügt über genügend eigene Gedanken und Vorstellungen!


Jetzt kann ich gehen.
Ich habe gelacht und geweint, geliebt und gehasst, manchmal getrennt oder beides zusammen.
Ich habe vieles vollbracht und nichts vollendet, weil die Geschichte der Menschheit, deren Teil ich bin, weitergeht.
Ich kann zufrieden gehen.


Es ist leichter, wenige Stimmen zum Stillschweigen zu bringen, als gegen eine allgemeine Ungerechtigkeit aufzustehen.


Hast du Land und Glauben, so hast du Grenzen, die die Flügel zu den Gedanken stutzen.


Nicht der Staat soll die Bürger kontrollieren, sondern die Bürger müssen die Macht des Staates eingrenzen.
Der Staat hat eine wichtige Funktion der Verwaltung, aber regieren sollen die Bürger.
Vor dreitausend Jahren brauchten wir einen der dachte und dreißigtausend, die die Pyramide bauten. In der Zukunft werden wir dreißigtausend brauchen, die denken, weil die Maschinen die Arbeit übernehmen werden.
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Tuesday, 18 April 2017

209) Kleinere Schriften XI 1) Von der Schrift über den Buchdruck zum Internet 2) Wenn der Abgrund …  3) Als es noch kein Bewusstsein … 4) Ich habe einfach zu viel … 5) Die armen Christen … 6) Luther, Marx, Wagner und die Juden … 7) Der Unmensch
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209 Kleinere Schriften XI
1) Von der Schrift über den Buchdruck zum Internet
2) Wenn der Abgrund …
3) Als es noch kein Bewusstsein …
4) Ich habe einfach zu viel …
5) Die armen Christen …
6) Luther, Marx, Wagner und die Juden …
7) Der Unmensch

Von der Schrift über den Buchdruck zum Internet
Die Schrift war der erste Schritt, die Welt gleichgerechter zu machen. Aber die Könige brachten die Priesterorden in ihre Gewalt, dort wurde Schrift und Malerei unter Kontrolle unterrichtet. Trotzdem konnten sie nicht verhindern, dass die Untertanen langsam erwachten.
Dann kam in Europa der Buchdruck und die Kirche gehörte zu den größten Schreiern, die ihre Monopolposition des Buchkopierens gefährdet sah. Natürlich war zu einer Druckerei viel Kapital nötig, die Mächtigen wurden zwar ein bisschen zurückgedrängt, aber es gelang ihnen wieder, einen Damm gegen die Gleichberechtigung zu errichten.
Und heute? Ich würde jedem vorschlagen, einmal zu versuchen ein eigenes kleines Netz innerhalb des Internets aufzubauen. Du stößt sehr schnell an Grenzen. Die Zahl der Teilnehmer, an die du Kontaktanfragen schicken kannst, ist begrenzt. Und wenn deine Einträge in diesen Portalen zu erfolgreich scheinen oder zu sehr den genehmigten Meinungen widersprechen, werden weitere Kontaktanfragen unmöglich gemacht, um die Verbreitung deiner Einstellung zu verhindern.
Von der kritischen Schrift zum Buchdruck vergingen ungefähr zweitausend Jahre, Vom Buchdruck zum Internet fünfhundert. Vielleicht sind wir gar nicht mehr so weit von der absoluten Gleichberechtigung entfernt.
Aber wenn dieser Blog einmal aus dem Internet verschwinden sollte, weißt du, lieber Leser, dass unsere Zeit noch nicht gekommen ist.


Wenn der Abgrund kommt und die Nacht dich verschlingt.
Wenn du keinen Schmerz mehr fühlst, sondern nur noch Angst.
Du bist wie gelähmt und wirst immer langsamer.


Als es noch kein Bewusstsein gab, das war die Zeit, als alles nur einer Masse glich, zu der auch du gehörtest.


Ich habe einfach zu viel nachgedacht, weiß einfach zu viel, um als Leisetreter leben zu können!


Die armen Christen haben keine Ahnung von Mathematik! Für sie sind drei noch immer eins.


Luther, Marx und Wagner waren böse auf die Juden, weil diese richtigerweise feststellten, dass die christliche Religion ein Heidentum ist, das drei Götter hat.


Der Unmensch
 
Was lässt sich auf diesem Bild sehen? Eine künstlich eingestellte Situation. Jemand wollte darauf aufmerksam machen, wie schädlich das Rauchen ist.
Aber was für ein Unmensch ist das, der ein Kind quält, damit irgendein schreckliches Bild auf eine Zigarettenpackung kommt?
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Friday, 7 April 2017

208) Kleinere Schriften X 1) Du sollst nicht begehren deines nächsten Weib! 2) Das Sprachenspiel
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208 Kleinere Schriften X
1) Du sollst nicht begehren deines nächsten Weib!
2) Das Sprachenspiel

Du sollst nicht begehren deines nächsten Weib!
Eine Gruppe von Nomaden kommt zu einem Wasserloch in der syrischen Halbwüste. Seit Tagen waren sie auf der Suche nach dem kostbaren Nass gewesen, und jetzt ist dort schon eine andere Horde. Für beide ist hier kein Platz und nicht genug Wasser. Ein Kampf entfacht sich. Der Verlierer muss meist nicht nur einen Teil seiner Tiere, sondern auch das eine oder andere Mädchen abtreten. So oder ähnlich mag es vor drei-vier tausend Jahren ausgesehen haben. Der Stärkste überlebte, der Schwächere wurde ausgeraubt, getötet oder verdurstete. Auch der Führer einer Gruppe hatte seine Position durch Kampf erlangt, alle Tiere und Frauen gehörten ihm, die übrigen Männer waren seine Diener und Untertanen.
Dann kam die Kuh als Haustier, eine wirtschaftliche Revolution. Mit ihrer Milch, Butter, Käse und so weiter war ein Mann jetzt fähig, eine Frau und mehrere Kinder zu ernähren. Aber so ein Tier ist anspruchsvoller, benötigt immer frisches Gras, Wasser, einen Stall und kann nicht so große Strecken zurücklegen. Man musste sich niederlassen. Die erste Welle zwischen Jordan und Mittelmeer waren die Phönizier, dann die Juden und später die Palästinenser. Dörfer und kleinere Städte entstanden. Man betrieb Landwirtschaft, baute Schutzwälle um die Siedlungen gegen feindliche Nomaden, und Dämme für die Wasserversorgung. Das ruhige Leben und der verhältnismäßige Reichtum brachte eine Umstrukturierung und Demokratisierung der gesellschaftlichen Beziehung mit sich. Nun war es nicht mehr nötig, dem anderen das Vieh oder Weib zu rauben, um zu überleben, man war vielmehr auf die Hilfe und Zusammenarbeit des Nachbarn angewiesen. Neue Gesetze wurden geschaffen: Du sollst nicht stehlen! Du sollst nicht begehren deines nächsten Weib!

Das Sprachenspiel
Was du zu diesem Spiel brauchst:
- Einen Spielplan, bei dem es einen Start und ein Ziel gibt. Du kannst dir auch selbst einen auf einem großen Bogen Papier zeichnen.
- Einige Figuren, die die Spieler repräsentieren sollen. Tierfiguren sind sehr geeignet, wenn du mit Kindern spielst.
- Mehrere Würfel, auf die du schreiben oder Matrizen aufkleben kannst. Auf jede Matrize schreibst du jeweils ein Wort. Du solltest die Würfel nach Wortgruppen aufteilen: Hauptwörter, Tunwörter, Wiewörter, Präpositionen, persönliche Fürwörter, Bindewörter und so weiter. Für Spieler mit größeren Kenntnissen können auch zum Beispiel Artikel, Tunwörter oder Wiewörter in verschiedener Deklination oder Konjugation und Zeitform angefertigt werden. Im Allgemeinen zählt jedes Wort einen Punkt, es ist aber auch möglich, schwereren Wörtern mehr Punkte oder leichteren Wörtern negative Punktzahlen zu geben.
Das Spiel kann beginnen. Jeder Mitspieler bekommt eine Figur, die er auf das Startfeld stellt. Die Spieler würfeln einer nach dem anderen und müssen jetzt versuchen, mit den auf der Oberseite der Würfel stehenden Wörtern Sätze und dazugehörige Nebensätze zu bilden. Spielt ihr mit wenigen Würfeln, hat der Spieler das Recht, eigen Begriffe hinzuzufügen, natürlich ohne dafür Punkte zu bekommen. Die Punkte der benutzten Wörter werden zusammengezählt und die Figur des Spielers darf so viele Felder vorrücken. Gewinner ist, wer als erster das Ziel erreicht hat.
Noch einige Hinweise: Sollte der Wissensunterschied, besonders bei kleineren Kindern zu groß sein, ist es ratsam, mehrere Figuren als Spieler zu benutzen, wobei keine Figur einen einzelnen Mitspieler repräsentiert, sondern die Kinder werden der Reihe nach gebeten, einen Satz zu bilden. Hierbei werden die Kinder natürlich ihrem Lieblingstier die Daumen drücken, bekommen aber nicht das Gefühl der Verlierer zu sein, wenn ihr Liebling nicht gewinnt und verlieren so den Spaß am Spiel nicht. Auf die absolute Richtigkeit der Sätze, Satzordnung, Deklination, Konjugation und so weiter sollte bei Anfängern, also Kindern, kein so großer Wert gelegt werden, weil sie durch das Spiel ermutigt werden sollen, das bisher gelernte ohne Hemmungen in die Praxis umzusetzen. Die Anzahl der Würfel kann nach Belieben gesteigert werden. Zu oft gebrauchte Wörter sollten eine niedrigere oder gar negative Punktzahl erhalten.
Viel Spaß beim Spielen!
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