Wednesday, 6 September 2017

216 Kleinere Schriften 1) Das Mittelalter 2) Der  diplomierte, hochnäsige Naturwissenschaftler 3) Csak beleheregeled magad! 4) Viele hassen … 5) Ein Rätsel 6) Wären alle … 7) Einer der 68-iger Generation: „Die…
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Kleinere Schriften
1) Das Mittelalter
2) Der  diplomierte, hochnäsige Naturwissenschaftler
3) Csak beleheregeled magad!
4) Viele hassen …
5) Ein Rätsel
6) Wären alle …..
7) Einer der 68-iger Generation: „Die ….

1) Das Mittelalter
Boethius war der letzte große Schriftsteller des Lateinischen gewesen, bevor es in den tiefen Abgrund der christlichen Hölle hinabging.
Die barbarischen Germanen hatten Ostrom nicht behelligt. Nein, es war der christliche, byzantinische Kaiser selbst, der fünfhundertachtundzwanzig die letzte Akademie in Athen verbieten ließ und später die Bücherei in Alexandria vernachlässigte, so dass die alten Schriften einfach Staub und Würmern zum Opfer fielen.
Der christliche Ungeist hatte nun freien Lauf, das dunkelste aller Zeitalter seit dem Beginn der Zivilisation in Europa einzuleiten – das Mittelalter.
Aus der Vielgötterei machte man eine Dreifaltigkeit: nur drei Götter – der Vater, der Sohn und der heilige Geist. Wahrscheinlich ging bei dieser Vereinfachung auch Vielfalt der Sprache verloren. Das mittelalterliche Latein war einfach primitiv, weil man fast die ganze klassische Grammatik herausließ. Vor allem aber mussten diese Leute stinken wie die Schweine. Sie lebten nämlich nach dem Leitspruch: Wer eine reine Seele hat, muss sich nicht waschen. Die meisten Bäder wurden einfach geschlossen, weil man sie für unmoralisch hielt, auf diese Weise war der damalige Christ eine bessere Art Flaggschiff für Flöhe und andere, unangenehme Kleintiere.
 
 
Nur diese beiden Darstellungen des Heiligsten (Jesus) betrachtend sticht einem der Unterschied jener beiden Weltanschauungen sofort ins Auge. Der altgriechische ist ein Edelmann von vornehmster Weise. Der christliche dagegen ein jämmerlicher, ungekämmter, ungewaschener, stinkender Elendiger. Um so einen anzubeten, muss sich einer schon in seiner eigenen Seele krank fühlen.
Und hätten jene damals die technischen Möglichkeiten von heute gehabt, hätten sie wahrscheinlich den Rest der sogenannten heidnischen Welt einfach ausgerottet.

2) Der  diplomierte, hochnäsige Naturwissenschaftler
Naturwissenschaftler: Es gibt viele hervorragende Naturwissenschaftler, die sich auch erfolgreich mit Sozialwissenschaften beschäftigt haben. Aber der umgekehrte Fall ist mir doch ziemlich unvorstellbar.
Mein Kommentar dazu: Ein Fahrrad kann auch ich reparieren.

3) Csak beleheregeled magad! – Nem, csak küzdök, hogy ne alázzanak meg minden nap!

4) Viele hassen mich; solche, die nichts wissen, und solche, die wollen, dass andere unwissend bleiben.

5) Ein Rätsel
Ich brauche das Gefühl, dass sich der andere nach mir sehnt, dass er mich mit seinen Gefühlen umgibt. Es geht eigentlich nur um mich. = Liebe

6) Wären alle perfekt, wäre ich der Schlimmste von allen!

7) Einer der 68-iger Generation: „Die Jugend von heute ist nicht mehr …..“ Da denke ich doch bei mir: „Wohin geht die Menschheit, wenn auch schon die ihre eigene Jugend und eigenen Ideale vergessen haben.“
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Tuesday, 29 August 2017

215 Kleinere Schriften XIV 1) Sie sehen auf dich herab … 2) Über Tote nur Gutes!
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215 Kleinere Schriften XIV
1) Sie sehen auf dich herab …
2) Über Tote nur Gutes!

Sie sehen auf dich herab, wollen dir das Gefühl geben, dass du ein niemand bist, und wenn du dann bewiesen hast, dass du auch noch besser bist als sie, wollen sie dich mit offenen Armen in ihre Kreise aufnehmen. Wie erstaunt sind sie dann, ja fast beleidigt, wenn du ihnen zu verstehen gibst, dass du nicht den geringsten Wunsch hast, dazuzugehören.



Über Tote nur Gutes
„Hoho! Wirt! Bring uns noch Wein! Es durstet uns, wie in der Wüste zur Mittagszeit!“ – schrie er durch den Saal. „Hast du auch noch genug Münzen dafür?“ – fragte der Wirt, als er einen neuen, vollen Krug auf den Tisch stellte. Wütend warf der Trinkende ein Säckchen mit klingenden Geldstücken auf den Tisch. „Woher hat er jetzt dieses Geld? Beim letzten Mal hatte er fast seine Hosen hier lassen müssen. Der hat seit dem Tod seines Vaters nicht nur sein ganzes Erbe, sondern auch seinen Verstand versoffen.“ – fragte sich der Wirt. „Aha, da wunderst du dich? Du Knauserich! Ich habe nämlich die letzte Goldkette meiner verstorbenen Mutter verkauft!“ – antwortete er in Gedanken, als er dem erstaunten Gasthausbesitzer ins Gesicht lachte. Aber er wusste auch, dass dies sein letztes Geld war. Der Alkohol hatte ihn zwar ziemlich herunterkommen lassen, jedoch wäre er zu feige gewesen, zu betteln, zu stehlen oder gar zu rauben. Er war sich gewiss, dass er die Stadt verlassen würde. Als sein Geld aufgebraucht und der letzte Krug geleert war, erhob er sich, warf den Krug gegen die Wand und ging hinaus. Seine Saufkumpanen riefen ihm nach: „Bis morgen!“ Aber er antwortete ihnen nicht. Mit dem Mut des Betrunkenen begab er sich in Richtung Wald, fühlte weder die Dunkelheit, noch die Äste und Zweige, über die er stolperte, oder die ihm ins Gesicht schlugen. Irgendwann hatte er dann soviel Alkohol herausgeschwitzt, dass er nach einem Sturz einfach liegen blieb, wohin er gefallen war.
Als er aufwachte, hatte er fürchterliche Kopfschmerzen. Doch, was war das? Zu seinen Füßen saß ein Mann, der betete. Dieser gab ihm einen Krug. „Wein?“ Nein, Wasser, aber kühl und frisch, genau das Richtige für einen Katzenjammer und eine ausgetrocknete Kehle. Der Stumme stand auf, ging ein paar Schritte, schaute zurück und wartete. „Ach, du willst, dass ich dir folge!“ Beschwerlich stellte er sich zuerst auf alle viere, dann auf die Beine, ein bisschen wankend, aber es ging. Sie gingen eine Weile, dann hielt der Stumme an, bückte sich und aß ein paar Pilze vom Boden, der nüchtern Werdende tat es ihm gleich. Ein Stückchen weiter führte er ihn zu einem Vogelnest, nahm eines der Eier und gab ihm zu verstehen, auch nur eines zu nehmen, damit der Vogel das Nest nicht verließe, sondern ein paar neue lege. Der Stumme sagte nie ein Wort, lehrte ihn mit Zeichen, um die Natur entdecken. Manchmal hätte unser Verarmter gerne ein paar Worte gesprochen, aber da er keine Antwort bekam, wandte er sich an die Tiere. Von Zeit zu Zeit hatte er das Gefühl, als ob diese ihm zuhören würden. Irgendwann starb dann sein stummer Meister und nun musste der eifrige Lehrling alleine überleben. Anfangs war er sehr traurig, hatte er sich doch an seinen Führer gewöhnt.
Wenn sehr selten Leute sich im Wald verirrten, sprach er aber kein Wort mehr mit ihnen. Vielleicht hatte er es verlernt, oder sich einfach daran gewöhnt. Mit den Tieren machte er ihre Töne nach. In der Stadt hatte man ihn schnell vergessen, vor allem weil er eigentlich keine Schulden hinterlassen hatte, weswegen man auf ihn hätte böse sein können. Langsam entstanden Legenden und Mythen über einen Heiligen, der das Erbe seines Vaters verschenkt hatte, und in den Wald gegangen war, um den Tieren das Wort Gottes zu predigen.
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Thursday, 17 August 2017

214 Kleinere Schriften XIII 1) Die Geschichte wiederholt sich 2) Der Todeskampf des Mittelalters
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214 Kleinere Schriften XIII
1) Die Geschichte wiederholt sich
2) Der Todeskampf des Mittelalters

Die Geschichte wiederholt sich
Die Restauration von achtzehnhundertsechzehn konnte zwar die alten, staatlichen Strukturen wieder herstellen, aber der Glaube an die Unantastbarkeit der Religion oder des Königs war zerstört. Aber was ersetzte die Treue gegenüber Gott und König? Der Nationalismus, alle Leute eines Landes sollten Brüder sein, füreinander da sein. Napoleon, die große Hoffnung, hatte sie alle verraten, als er sich selbst zum Kaiser krönte. „Die Franzosen brauchen König, wenn sie sogar einen Kaiser akzeptieren!“ So gab man ihnen wieder die Bourbonen. Jedoch nach dreißig Jahren mussten diese das Land erneut verlassen. Ist der Geist der Freiheit einmal aus der Flasche, dann ist sie später zu klein für ihn. Die Gedanken suchen sich neue Dimensionen, neue Wege der Verwirklichung.
Mit englischen Schiffen kamen nicht nur Waren aus aller Welt, sondern auch neue Motive, Formen und Vorstellungen über Farben nach Europa. Schwarzafrika, Indien, China, Japan und die arabische Welt ließen sich nun auch hier kennenlernen, man musste keine Reise um die Erde mehr antreten. Impulse warteten darauf entdeckt zu werden. Die Technik ermöglichte, bisherige, natürliche Grenzen zu überschreiten. Doch der geistige Höhenflug machte vielen Angst, sie befürchteten den Boden unter den Füßen zu verlieren, waren noch nicht reif genug, ihr eigenes Geschick bestimmen zu wollen. Bis zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts war das Chaos in den Köpfen so groß geworden, dass sich die meisten gerne in die Hände einiger Führer gaben; das Ergebnis war der erste (der große Krieg) und zweite Weltkrieg.
Nach dieser katastrophalen Führung und Unterdrückung entstand wieder ein Bedürfnis nach Selbstbestimmung. Am Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts gibt es schon wieder viele, die aus der Geschichte anscheinend nichts gelernt haben und sich führen lassen wollen. Sie erschrecken vor den eigen Möglichkeiten.


Der Todeskampf des Mittelalters
Iphigenia in Aulis, die Griechen hatten ihre eigenen Götter kritisiert, hatten sich davon befreit, sich von der Religion vorschreiben zu lassen, was sie denken oder glauben sollten. Bei den Römern gab es eine Demokratie der Götter, der römische Bürger konnte sich aussuchen, welchem Hirngespinst er Opfer bringen wollte. Im Pantheon waren diese alle gesammelt. Und dann kam die Völkerwanderung. Das römische Reich, geschwächt auch durch die weltfremde Ideologie des Christentums, konnte dem barbarischen Schwung der Germanen und Hunnen nichts mehr entgegensetzen, es zerfiel.
Aber die Germanen waren zu ungebildet, um zu sehen, dass das Christentum auch sie ins Verderben führen würde. Die Kirche verbot alle Freudenfeste, Götter und Mythen. Aus den Saturnalien machte sie Weihnachten und Silvester, aus den germanischen Göttern christliche Heilige, aus den heiteren Wassernymphen prüde Marien, die ohne körperliche Freuden Kinder gebären. Das Christentum stieß Europa in eine tiefe, dunkle Schlucht der Unwissenheit und Prüdheit. Fast mehr als tausend Jahre sah es so aus, als ob diese schöne Welt wirklich zum Jammertal verkümmern würde. Nur der Araber richtete seine Religion so ein, dass sie ihm sein Privatleben nicht vollständig auffraß.
Dann folgte ein Erwachen: die Renaissance! Der Mensch, das Wissen stand wieder im Mittelpunkt. Der Buchdruck half bei der Verbreitung von Gedankengut und brachte am Ende die Demokratie. Immer weiter wurde der dunkle Geist des Mittelalters zurückgedrängt; Jerusalem war nicht mehr der Mittelpunkt der Erde, weil sie ja rund ist; die Erde, das beste Werk Gottes, war nicht mehr der Mittelpunkt des Universums. Die Geister des Mittelalters schrien „Sodom und Gomorra“, aber die meisten wollten einfach frei leben. In einigen Teilen der Welt dürfen Homosexuelle heute heiraten, Andersfarbige und Frauen sind gleichberechtigt, Drogen sind, wie das Gift Alkohol, legal. Den Moralisten aus alten Zeiten bleibt nur noch das Sippen-, Stamm- oder Nationalbewusstsein, also der Rassismus und Fremdenhass. Sie verbreiten bei den Prüden, die zu dumm sind, um den Sex wirklich zu genießen, das Scheinbild, dass nur Treue zu einem einzigen, andersgeschlechtlichen Partner das Glück ihres Lebens sichern kann.
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Wednesday, 2 August 2017

213) August 2, 2017 - Sie leben in einer Streichholzschachtel
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213
August 2, 2017
Sie leben in einer Streichholzschachtel
Die Sommerferien hatten gerade angefangen und obwohl ich erst siebzehn geworden war, entschied ich, meinen ersten Ausflug in die große Welt zu machen. Meine Jungfernreise ins Ausland führte mich nach Nizza. Ein wunderbares Gefühl, befreit von allem, was mir in meiner Heimatstadt zu eng geworden war. Bereits am dritten Tag hatte man mir mein Geld gestohlen. Aber ich hätte mich doch geschämt, sofort wieder nach Hause zu fahren. Von ein paar Obdachlosen, Deutschen und Franzosen lernte ich, wie man auch ohne Geld überlebt. Einer dieser Leute dort kam aus meiner Gegend und war nicht unbedingt erfreut, mich zu sehen. Fünfunddreißig Jahre später sollte ich verstehen, was der Grund dafür war. Wir saßen hier zwischen Monte Carlo und Cannes, zwischen Fürsten und weltberühmten Schauspielern und nun sprach da einer über eine deutsche Provinzstadt.
Fünfunddreißig Jahre später gab mir ein rechtsgerichteter Ungar ein von einem verarmten, deutschen Adligen geschriebenes Buch, in dem sich ein Kapitel mit einem Teil der Geschichte Ungarns und danach eines mit der von England beschäftigte. Deutsche Provinzstadt – Monte Carlo, Ungarn – England. Ich las das Kapitel über die Geschichte Ungarns und beschloss, ihm einen kleinen Vortrag über Geschichte zu halten.
Fünfhundert Jahre vor unserer Zeitrechnung wanderten germanische Stämme nach Europa ein. Sie verbreiteten sich vom Ural bis zum Rhein, von Skandinavien bis ins Karpatenbecken. Ungefähr tausend Jahre später kamen asiatische Stämme und verdrängten die Germanen aus ihren südlichen Siedlungsgebieten. Im siebten Jahrhundert verdrängten die Slawen die Germanen aus den östlichen Gebieten. Während die Ungarn am Ende des neunten Jahrhunderts einen Keil zwischen Nord-Ost-Slawen und Südslawen trieben, versuchten die germanischen Fürsten, das Vordringen der Slawen im Raum Polen und Tschechei zu verhindern. Im dreizehnten Jahrhundert suchten die Könige des Heiligen Römischen Reiches (Im neunzehnten Jahrhundert wurde der Name“ Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ geprägt.) eine neue Aufgabe für die aus dem Heiligen Land zurückgekommen Ritter, und schickten sie in die baltischen Gebiete. Jene bauten dort die Ländereien des Deutschen Ritterordens auf, wobei sie die dort ansässigen Slawen und Finn-Ugoren wie Sklaven behandelten (Daher der Begriff „sclavus“, der später ins Lateinische übernommen wurde.). Die Habsburger verrichteten das gleiche mit den Ungarn und Slawen in den östlichen Provinzen ihrer Donaumonarchie. Im späteren Geschichtsunterricht des deutschsprachigen Raumes nahmen diese Geschehnisse, neben den Kriegen mit Frankreich und denen in Italien, einen wichtigen Platz ein. Selbst Internationalisten wie Marx sahen im Slawentum eine Gefahr für die europäische Kultur (Später sollten die Chinesen die Rolle der Phantominvasoren übernehmen.) und unterstützte mit seinen Manifesten aus den Jahren achtzehnhundertachtundvierzig/neunundvierzig die Ungarn gegen die Habsburger und Slawen. Hitler machte sich dieses Hirngespinst zu eigen und propagierte seinen „Lebensraum im Osten“. Außerdem hatte sich der Kommunismus zuerst in Russland verwirklicht, was es den Faschisten leicht machte, diese Utopie mit dem Slawentum auf einen Nenner zu bringen.
In dem obengenannten Kapitel des Buches ging es auch noch um Ungarn, die in Amerika zum Beispiel die Filmindustrie bestimmten/überschwärmten. Er hatte nur vergessen, zu erwähnen, dass diese Leute zum Teil Juden oder Oppositionelle waren, die aus dem Horthy-Ungarn hatten fliehen müssen.
Weiterhin behauptet dieser verarmte, deutsche Adlige, dass die Ungarn durch die Öffnung der Grenzen für die deutschen Flüchtlinge neunzehnhundertneunundachtzig den Kommunismus zum Zusammenbruch gebracht, und sich so für die Ereignisse von Ende neunzehnhundertsechsundfünfzig revanchierten haben sollen. Würde ein Ungar einem Polen die Geschichte so auftischen, müsste er damit rechnen, dass der Pole ihn auslacht, hatte dieser doch zehn Jahre lang den Sowjets mit seiner Solidaritätsbewegung das größte Kopfzerbrechen bereitet, während der Ungar knapp ein halbes Jahr später bei den Mai-Paraden neunzehnhundertsiebenundfünfzig Kádár János feierte. Der Pole würde ihm vorwerfen, im ganzen kommunistischen Blog der größte Russenfreund gewesen zu sein und als Gegenleistung den höchsten Lebensstandard erhalten zu haben. Bei Geschichtswissenschaft dreht es sich nicht darum, wer sie wie auslegt, sondern um ein gemeinsames Einverständnis aller Beteiligten.

Diese Leute leben in einer Streichholzschachtel und sehen nicht, was um sie herum geschieht, und es interessiert sie auch nicht.
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Wednesday, 26 July 2017

212) Die Hexenjagd beginnt (Juli 2017)
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212
Die Hexenjagd beginnt (Juli 2017)
Seit Jahren arbeitet der Schriftsteller dieses Berichts an einem Blog, auf dem man kostenlos Sprachen lernen kann. Die Besucher des Blogs zieht vor allem das Deutsche, Englische, Französische und Spanische an, aber auch das Russische oder unbekanntere Sprachen, wie das Ungarische, gar eine tote, wie das Lateinische finden ihre Interessenten.
Wie man eine Sprache erlernen kann, dafür gibt es die verschiedensten Methoden und Vorstellungen. Bei dem genannten Blog wird nichts übersetzt, sondern alles anfangs durch Bilder, später durch in den früheren Lektionen verwendete Wörter erklärt. Auf diese Weise eignet sich ein Kind eine Sprache an, weil es ja nicht sprechend geboren wird. Ein besonders für den Blog angelegtes Wörterbuch führt den Lerner immer zu der Lektion zurück, in der das gesuchte Wort erstmals vorkommt. Am Anfang befindet sich eine Grammatik-Zusammenfassung, die auf der einen Seite dem Lerner helfen soll, auf der anderen aber die Ansichten des Autors widerspiegelt, der durch Jahrzehnte langes Studium und eigene Erfahrungen zu Schlussfolgerungen kam, die des Öfteren den an Universitäten und in Lehrbüchern gepredigten Dogmen widersprechen. Die Arbeit an diesem Werk ist überaus interessant, geht aber langsam voran, während der Linguist sich von Text zu Text, von Wort zu Wort, von einem grammatikalischen Schwierigkeitsbündel zum anderen begibt.
Eines Morgens, als er sich gerade an den nächsten lateinischen Text machen wollte, musste er feststellen, dass die Lektionen für diese Sprache für diese Sprache für Besucher nicht mehr erreichbar waren. Ein Schock durchfuhr ihn. War es einem Gegner gelungen, in das Blocksystem einzudringen und es zu blockieren? Wer könnte ein Interesse daran haben, genau die Aneignung einer toten Sprache verhindern zu wollen? Es gab dort weder politische Äußerungen, noch sprachen die geringen Besucherzahlen dieses Teiles des Blockkomplexes dafür, sich gerade darauf zu stürzen.
In seinen Einträgen und Artikeln dagegen machte er sich über politische Akteure lustig, kaum einer wurde verschont, Kirche, neofaschistische Parteien in Europa, Israel und so weiter. Er hatte sich viele Feinde und wenige Freunde geschaffen. Aber dies waren nicht die Sprachenblogs, sondern seine literarischen Werke.
Oder vielleicht ein Konkurrent auf dem Sprachenmarkt? Es gab sowieso schon viele Besucher in der ganzen Welt.
Die Werbung für den Blog hätte eigentlich viel gekostet, doch eröffnete bei Portalen, wie Facebook oder LinkedIn, um nur die wichtigsten zu nennen, immer wieder neue Konten, verschickte an tausende Privatleute seine Kontaktanfragen, wenn diese bestätigt wurden, konnte er diesen Leuten einen kurzen informativen Text mit dem Link zu seinem Blog schicken. Kamen die Portale aber dahinter, dass er für diese Art der Werbekampagne nicht bezahlte, blockierte man ihm kurzum die Konten. Jede Konkurrenz auf dem Markt war ihnen gefährlich, vor allem wenn es sich um einen Blog handelte, der endlich einmal etwas qualitativ Gutes herstellte.
Als nächstes sah er nach, ob vielleicht etwas mit dem Innenleben des Blogsystems passiert war. Da stellte sich heraus, dass Google selbst diesen Blog-Teil blockiert hatte. Er musste Google dankbar sein, dass es der Allgemeinheit so eine Möglichkeit bot. Aber musste nicht auch Google ihm dankbar sein, weil er mit seiner unbezahlten Arbeit nicht nur seinen Blog sondern auch Googles Suchsystem berühmt machte. Also, was steckte dahinter, was waren die Gründe?
Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen waren abgelaufen und ein Populist der schlimmsten Art hatte gewonnen, angeblich mit Hilfe von russischen Hackern. Rechtsgerichtete und Islamisten verbreiteten Schreckensnachrichten im Internet, sogar sonst eigentlich liberale Politiker und Medienakteure riefen nach Kontrolle dieses Mediums, die Panik war vollständig. Facebook, Twitter, LinkedIn, Google und andere wurden aufgerufen, ihre eigenen Portale zu „säubern“. Hatte denn aus der Geschichte niemand etwas gelernt? Im Mittelalter bestimmte die Kirche, was von den Mönchen vervielfältigt werden sollte. Dann tauchte ein Soros-Agent auf, der Erfinder des Buchdrucks, Gutenberg. Die Kirche, der König und Adel zeigten sich empört und warnten davor, dass das Volk nun schädliche Schriften lesen würde. Was für eine Parallele zur heutigen Zeit! Aber im einundzwanzigsten Jahrhundert müssten wir eigentlich wissen, dass der Buchdruck wesentlich zur Demokratisierung eines Teils der Welt beigetragen hat.
Aber Google widerstand der Versuchung nicht, dem Verlangen dieser ungebildeten Schreihälse genugzutun, sondern hatte ein Programm in Betrieb gesetzt, um alle Inhalte der Blogs durchzusehen. Dieses Programm war auf hundertfünfzig heute gesprochene Sprachen eingestellt und filterte alles als gefährliche Geheimsprache aus, was nicht in dieses Schema passte. Lateinische oder Sanskrit-Texte wurden nur dann akzeptiert, wenn sie mit den Namen Cicero, Horatius versehen waren. Aber sein Blog lehrte diese alte, würdige Sprache mit eigenen Texten ohne Übersetzung, und war deshalb im Sieb hängengeblieben. Wann wird der kleine Mann endlich erwachen und sich gegen diese Willkür auflehnen? Wem soll man die Macht und das Bestimmungsrecht geben, zu entscheiden, was wir lesen dürfen, ohne dabei Gefahr zu laufen, dass sich dies wieder zu einer diktatorischen Zensur auswächst?
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Friday, 30 June 2017

211) Die Olympiade der Tiere
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211
Die Olympiade der Tiere
Der Morgen graute schon, die ersten Vögel begannen ihren Gesang und der Affe schlief noch tief in einer Astgabel. Als das Getümmel um ihn aber immer heftiger wurde, riss es ihn doch aus den Träumen. Sein Gesicht verriet leichte Verärgerung, hatte er doch noch das Bild schöner Vorstellungen vor den geistigen Augen. „Man hatte ihn gerade zum Sieger über alle erkoren und sein Haupt mit Lorbeeren gekrönt.“
Der Traum war so wirklich gewesen, dass es ihn verwunderte, was er hier überhaupt auf der Astgabel verloren hatte. Die Züge verwandelten sich wieder in ein Lächeln. „Ich bin der Beste!“ Er brauchte nur noch Zuschauer, die klatschen würden. Deshalb begab sich der Affe zum Elefanten und stieß ihn an, mit seiner Trompete das Signal zur Versammlung zu geben. Es dauerte nicht lange, bis die Tiere des Waldes, der Steppe, der Luft und des Wassers aus allen Richtungen herbeigeeilt waren, um die gute oder schlechte Nachricht zu empfangen. Verschiedene Erwartungen zeichneten sich auf ihren Gesichtern ab. Dann kletterte der Affe auf den kleinen Felsen in der Mitte des Platzes und hob die Hände. Langsam wurde es still, man spitzte die Ohren. „Heute ist der große Tag der Olympiade der Tiere!“ Fragend sah man durch die Reihen, keiner wusste, was eine Olympiade sein sollte. „Ich bin der Beste!“ - fuhr der Affe fort. „Ich werde gegen jeden in seiner Fähigkeit antreten. Ich schwimme besser als der Fisch, fliege schneller als der Vogel.“
Die Verwunderung der Tiere wurde immer größer. Was hatte sich dieser eingebildete Affe wohl nun wieder ausgedacht. „Ich werde zuerst mit dem Frosch um die Wette hüpfen.“ Er kletterte vom Felsen herab, nahm einen Stock und zeichnete eine Linie in den lockeren Boden. Dann nahm er Anlauf und hüpfte. Alle waren erstaunt, dass der Affe solche Sprünge machen kann. Nun stellte sich das grüne Tier hinter die Linie, machte einen mittelmäßigen Satz und landete auf der anderen Seite des Platzes im Gebüsch, wo ihn niemand mehr sehen konnte. „Disqualifiziert!“ – schrie der Affe. „Die Jury hat entschieden, dass der Frosch disqualifiziert wird, weil er die Landebahn verlassen hat.“ Die Tiere verstanden nicht, was die Wörter „disqualifizieren und Jury“ meinten, für sie war klar, dass der Frosch viel weiter gehüpft war. Aber es wunderte sie auch nicht, als der Affe irgendeinen Pflanzenkranz (Lorbeer) auf seinen Kopf setzte.
Die Stimmung wurde eigentlich immer besser, die Sache fing an, den Tieren zu gefallen. Das nächste an der Reihe, war das Zebra. Der Affe und das Huftier stellten sich hinter die Startlinie. „Auf die Plätze, fertig, los!“ Der Verwandte der Pferde war schon bis zum Ziel und zurück gelaufen, als der Affe erst die Mitte erreicht hatte. Schnaufend lief er über die Ziellinie, drehte sich herum und dachte, dass er so schnell gewesen sei, dass das Zebra ihm nicht hatte folgen können. „Ich bin heute wirklich in Form.“
Der Fisch wartete bereits am Ufer auf seinen Wettbewerber. Der Affe warf sich in die Fluten und begann, wie wild mit den Armen zu schlagen. Die Schildkröte befürchtete, dass er ertrinken will, schwamm unter ihn und brachte den Durchnässten zum Ufer zurück. „Das ist Betrug!“ – beklagte er sich. „Das Panzertier hat mich am Schwimmen gehindert!“ Er hustete und spuckte so viel Wasser, dass niemand verstehen konnte, was er von sich gab.
Dann rannte er auf einen hohen Felsen. Die Tiere bekamen langsam Angst um ihn. Schnell spann die Riesenspinne ein Netz unter ihm, falls er auf den Gedanken kommen sollte, herunterzuspringen. „Ich fliege schneller als die Vögel.“ Und mit der Geschwindigkeit eines fallenden Steines näherte er sich dem Erdboden, genau in das elastische Gewebe der Spinne, das ihn immer wieder mit dem gleichen Schwung zurück in die Luft schleuderte. Jedes Mal, wenn es nach oben ging, rief er: „Ich fliege! Seht nur, wie ich fliege!“
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Friday, 12 May 2017

210) Kleinere Schriften XII 1) Sicherheit oder Angst? 2) Ein guter Schriftsteller … 3) Jetzt kann ich gehen. 4) Es ist leichter, … 5) Land und Glaube 6) Nicht der Staat
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210
Kleinere Schriften XII
1) Sicherheit oder Angst?
2) Ein guter Schriftsteller …
3) Jetzt kann ich gehen.
4) Es ist leichter, …
5) Land und Glaube
6) Nicht der Staat …

Sicherheit oder Angst?
In meiner Qualität als Sprachlehrer begebe ich mich, wenn der Schüler oder dessen Eltern oder Unternehmen es wünschen und auch zahlungsbereit sind, auch manchmal vor Ort, das heißt: in die Wohnung oder das Büro des zu unterrichtenden.
Mein Weg sollte mich diesmal in einen besonders exklusiven Teil der Stadt führen. Gemäß meiner Gewohnheit komme ich auch nie zu spät, vor allem, wenn ich den Weg nicht genau kenne, nicht weiß, wie stark der Verkehr ist. So stand ich also zwanzig Minuten zu früh vor dem Haus. Zehn Minuten vor der Stunde zu klingeln, ist meines Erachtens kein großes Problem, aber zwanzig ist bedeutend zu früh. Ich schaute mir die Klingeln mit den Namen genauer an, um sicher zu sein, dass es auch das richtige ist und entschloss mich, noch eine Runde zu machen und eine Zigarette zu drehen.
In zehn bis fünfzehn Minuten hatte ich mich ein paar hundert Meter entfernt und war auch wieder zurückgekehrt. Nun drückte ich den Knopf mit dem entsprechenden Namen, musste überhaupt nicht lange warten, bis mir geöffnet wurde, und trat ein. Das Hoftor war hinter mir ins Schloss gefallen, ich stand vor der Haustür und suchte den Knopf für die Eingangstür, als hinter mir ein Mann das Gartentor mit einem Schlüssel öffnete. Wir gingen zusammen ins Haus und in den Lift. Wortlos drückte er auf den Knopf für den dritten Stock und wir fuhren hinauf. Als ich ausstieg erwartete mich der Vater der Schülerin schon an der Wohnungstür. Ich weiß nicht genau, wer der Mann war, der mich begleitet hatte, aber vermute, dass er ein Angestellter eines privaten Sicherheitsunternehmens war. Wahrscheinlich sind dort die ganze Straße, der Hof, der Garten und vielleicht auch die Wohnungen mit Kameras versehen.
Sicherheit oder Angst?
Bei der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika oder der Olympiade in Brasilien kamen die Touristen mit dem Flugzeug, wurden mit Sonderbussen zuerst zum Hotel und dann jeden Tag zu den Stadien gebracht. Vom Land selbst sahen sie nichts, weil es angeblich zu gefährlich war. In den Stadien gab es keine Einheimischen, weil die Eintrittskarten für sie zu teuer waren.
Sicherheit oder Angst?
Bald werden sie auf Grönland, dem Südpol oder gar dem Mond kleine Städte mit Golfplatz, Supermärkten und Erholungsparks unter Glaskuppeln bauen, weil dorthin bestimmte keine gefährlichen oder fremden Leute kommen.
Sicherheit oder Angst?
Sie werden alles nur mit Bankkarte bezahlen, damit man ihr Geld nicht stehlen kann. Unter ihrer Haut werden sie einen Chip tragen, damit sie nicht verloren gehen.
Sicherheit oder Angst?
Und dann werden sie einen Hitler, Mussolini, Horthy oder Orbán unterstützen, der sie und ihre Rasse beschützen soll.
Das ist dann ihr goldener Käfig! Aus Sicherheit oder Angst? Wer weiß, ob sie selbst das wirklich wollen.


Ein guter Schriftsteller hat es nicht nötig, andere zu zitieren, er selbst verfügt über genügend eigene Gedanken und Vorstellungen!


Jetzt kann ich gehen.
Ich habe gelacht und geweint, geliebt und gehasst, manchmal getrennt oder beides zusammen.
Ich habe vieles vollbracht und nichts vollendet, weil die Geschichte der Menschheit, deren Teil ich bin, weitergeht.
Ich kann zufrieden gehen.


Es ist leichter, wenige Stimmen zum Stillschweigen zu bringen, als gegen eine allgemeine Ungerechtigkeit aufzustehen.


Hast du Land und Glauben, so hast du Grenzen, die die Flügel zu den Gedanken stutzen.


Nicht der Staat soll die Bürger kontrollieren, sondern die Bürger müssen die Macht des Staates eingrenzen.
Der Staat hat eine wichtige Funktion der Verwaltung, aber regieren sollen die Bürger.
Vor dreitausend Jahren brauchten wir einen der dachte und dreißigtausend, die die Pyramide bauten. In der Zukunft werden wir dreißigtausend brauchen, die denken, weil die Maschinen die Arbeit übernehmen werden.
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