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170) 1) Sprachen 2) Tunwörter (Verben) und ihr Fall (casus)
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170
1) Sprachen 2) Tunwörter
(Verben) und ihr Fall (casus)
Sprachen
Wörter? Ob ein Tisch nun
table, mesa, стол, oder asztal genannt wird, ist eigentlich ziemlich
unwichtig, damit lässt sich höchstens die Herkunft des Wortes oder der
Sprache erkennen.
Eine Sprache besteht aus
Aufbau, die Aufteilung der Begriffe in verschiedene Gruppen und ihre
Platzierung innerhalb dieses Aufbaus.
Eine Hauptgruppe bilden die
Verben, sie zeigen die Richtung der Handlung: zum Beispiel: „schreiben,
laufen“, oder geben eine Aufforderung an: „Schreib! Lauf!“ oder die Zeitaufteilung:
zum Beispiel: „schrieb, lief“.
Für die informale Form
(Herr, Frau Müller) hat eigentlich (meines Wissens) keine Sprache eine eigene
Form. Meist fällt diese mit den zweiten und dritten Personen (du, er, sie,
ihr, sie) zusammen.
Durch Hilfsverben lässt sich
dieses Spektrum noch erweitern: zum Beispiel: „wird schreiben, wird laufen“
drückt die Zukunft aus, oder: „hat geschrieben, ist gelaufen“ ist die
Beziehung zur Gegenwart, oder: „was reading when suddenly the phone rang“
zeigt die Gleichzeitigkeit oder Unterbrechung einer Handlung durch eine
andere, „had finished till arrived“ die Vorzeitigkeit, „ist gefahren
(reisen), hat gefahren (selbst am Steuer sitzen)“ informiert darüber, ob eine
Handlung auf etwas einwirkt oder allein besteht. Weiterhin kann es die
Aufmerksamkeit des Zuhörers oder Lesers auf den Gegenstand lenken, auf den
die Handlung einwirkt „ist gebaut, wird gebaut“.
Bevor wir zu den Sätzen
kommen, wobei verschiedene Nebensätze in einigen Sprachen sogar über ihre
eigene Konjugation verfügen, müssen diese Konjugationen zuerst behandelt
werden. Hauptsätze wie „Ich wünsche, Ich möchte, Ich rate dir“ oder „Ich
befehle dir“ ziehen einen Subjunktiv nach sich. Einige Sprachen besitzen
dafür eine eigene Form (Subjunktiv) „Le dije que lo haga.“ andere benutzen
den Konjunktiv, dritte erledigen dies mit einer Infinitivkonstruktion „I told
her to do that.“ vierte mit Hilfe eines Modalverbes „Ich sagte ihr, dass sie
das machen soll“.
Für die Möglichkeitsform
wird ein Konjunktiv benutzt.
Zusammenfassend kann gesagt
werden: Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft in der Aussageform, Gegenwart
und Vergangenheit in der Möglichkeitsform und die Gegenwart bei der
Aufforderung.
Eine weiter Änderung ergibt
sich durch Modalverben, wobei vier Fälle zu erwähnen wären: 1) die Fähigkeit
= können, 2) die Erlaubnis = dürfen, 3) die Verpflichtung = müssen und 4) der
Wunsch = wollen. Es ist klar, dass es dies nur in der Aussageform und
Möglichkeitsform, aber nicht in der Aufforderungsform gibt.
Verschiedene Sprachen
verfügen weiterhin über impersonelle Formen: „Il faut que je fasse, Hay que
hacer, opportet, Мне нужно сделать, Nekem kell valamit csinálnom”, oder der
Beschreibung: „Es regnet”.
Natürlich bestehen noch
viele andere kleinere Funktionen der Verben, die sich aber von Sprache zu
Sprache sehr unterscheiden.
Tunwörter (Verben) und ihr
Fall (casus)
„der, den, dem, des + s“,
auf diese und ähnliche Weise ist der Gebrauch der Hauptwörter (Substantive)
eingeteilt.
der = der Fall für den
Namen, das Hauptwort erscheint in seiner Grundgestalt, zum Beispiel: der
Stift, der Mann. Dazu gehören bestimmte Tunwörter: sein, geschehen, vergehen
in erster Linie und natürlich: gehen, reisen, eintreten.
den = Jemand benutzt das Ding,
das Ding wird benutzt, zum Beispiel: den Stift, oder: Jemand sieht den Mann,
der Mann wird gesehen.
dem = 1) der Geben-Fall: Ich
gebe, schicke, sende, schenke ihm etwas. 2) in welche Richtung-Fall: Das
gefällt, schmeckt, gelingt dem Mann. Man hat das Gefühl, dass er etwas tut,
wobei die Handlung nur in seine Richtung geht.
des+s = Ich bedarf deines
Rates. Eigentlich: Ich bedarf, dass du mir hilfst / mir einen Rat gibst.
Dieser Gebrauch ersetzt im Grunde genommen einen Nebensatz.
Der Präpositionsfall = Ich
gehe in den Garten. Ich schreibe mit dem Stift. Ich helfe bei der Arbeit. Ich
beginne mit dem Essen (Ich beginne, zu essen.)
Wir sehen, dass Tunwörter in
verschiedene Gruppen aufgeteilt werden können, einige von ihnen auch zu
verschiedenen Gruppen gehören, und manchmal sogar in demselben Satz.
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Monday, 20 June 2016
Friday, 17 June 2016
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169) Das große Werk
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169
Das große Werk
Er hatte gerade seine Arbeit
in der Fabrik beendet und wandelte gemäßigten, verträumten Schrittes nach
Hause. Langsam schaltete sein Gehirn um, suchte die Brücke zu dem, wo er in
der letzten Nacht aufgehört hatte und jetzt weiterarbeiten wollte. Seine Arbeitskollegen
riefen ihn in die Kneipe zu einem Getränk, aber er wehrte ab. In den letzten
Monaten hatte er sich ganz verändert. Er war fünfzig geworden und an seinem
Geburtstag so betrunken gewesen, dass er danach drei Tage das Bett hatte
hüten müssen.
Aber was machte er seit
diesem Tag jeden Abend allein zu Hause? Er war geschieden, seine Kinder
wollten nichts von ihm oder er nichts von ihnen wissen, er hatte es
vergessen. Er arbeitete an seinem Lebenswerk. Etwas, ihn verewigen,
überleben, nach ihm bleiben sollte. In Urzeiten wurden aus Helden Götter,
später Legenden. Heute standen diese Leute in Geschichtsbüchern. Aber normale
Leute wurden spätestens nach zwei bis drei Generationen vergessen. Dass er
während seines Lebens unbekannt blieb, störte ihn nicht, weil er dann
wenigstens seinen Alltag ruhig genießen konnte. Aber nach seinem Tod sollten
alle erfahren, wen man an ihm verloren hatte.
Nach zehn Jahren Arbeit war
er eigentlich gut vorangekommen. Natürlich gab es manchmal Höhen und Tiefen.
Und jetzt sollte er bald in Rente gehen, dann könnte er sich ganz seinem Werk
widmen, würde nicht durch Fabrikarbeit unterbrochen. Er ging nur noch unter
die Leute, wenn er etwas einkaufen musste.
Für die meisten war er
einfach ein Spinner. „Ja, alte Leute, die leben nur noch für sich, träumen
von alten Zeiten, verstehen die neue Welt nicht mehr, aber wollen auch von
ihr nicht verstanden werden. Die alten Jungfern rennen ständig in die Kirche,
die alten Männer immer in die Kneipe.“ Aber was machte dieser hier? Die Jungen
interessierte es nicht, sie waren sogar froh, wenn sie ihn sahen, weil er
sich nicht mit ihnen beschäftigte, sie nicht störte. Und seine Zeitgenossen?
Sie wurden immer weniger, starben langsam aus, hätten gern mit ihm
gesprochen, doch er ging einfach an ihnen vorbei. Sie begannen schlecht über
ihn zu sprechen, weil er sie aus seinem Leben ausschloss. Seine Welt war
nicht mehr ihre. Er merkte nicht, wie er sich langsam vom Leben entfernte,
verwahrloste ein bisschen, wusch sich seltener, verbreitete einen eigenartigen
Geruch, aß unregelmäßig, versank in seinem Werk. Nach seinem Tod würde man es
entdecken und würdigen.
Als er eines Morgens
aufwachte, ein warmer herbstlicher Tagesanfang, vom Bett aus betrachtete er
das Ergebnis seiner Arbeit. Es war fertig. Was würden sie damit machen, wenn
sie es fänden. Sehr oft hatte er erfahren müssen, wie Dinge einfach
weggeworfen wurden, weil sie für die Nächsten nicht mehr wichtig waren, weil
sie darin das Werk nicht sahen, oder nicht sehen wollten, vielleicht nicht
konnten. Er musste es schützen, vor unverständigen Händen und Blicken
bewahren. Aber wie? Hatte er so lange daran gearbeitet, damit es jetzt
verloren ging? Er würde es vergraben. Hinter seinem Haus im Garten. Und wenn
die Menschheit einmal reif genug ist, es zu verstehen, wird sie es finden.
Genauso wie man früher Gräber ausgeraubt hatte, aber heute ihre Schätze im
Museum ausstellte.
Nachdem man ihn monatelang
in keinem Geschäft gesehen hatte, brach die Polizei die Tür zu seinem Haus
auf. Es stank fürchterlich. Nur noch die Knochen waren da. Keiner wollte die
Bruchbude kaufen und so zerfiel sie langsam. In dem Dorf wollte sich niemand
ansiedeln und so blieb alles unberührt.
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Sunday, 12 June 2016
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168) Die Geschichte der Gleichheit
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168
Die Geschichte der
Gleichheit
Der Pharao wandelte mit
seiner kleinen Hofgesellschaft an seinem Grab vorbei. Eine große Leibwache brauchte
er nicht, weil ihn alle für einen unsterblichen Gott hielten. Er herrschte
über ungefähr hunderttausend Leute. Dies war genug, um seinen Hof zu
unterhalten, ein kleines Heer aufzustellen und somit die Raubzüge der
lybischen Nomaden im Westen und der semitischen Stämme im Osten abzuwehren.
Die Griechen waren
anspruchsvoller. Fünfhundert wahlberechtigte Bürger, genauso viele Frauen,
tausend Kinder und zweitausend Sklaven. Ohne diese ausgeglichenere Verteilung
der Güter und die Eigeninitiative der einzelnen Bürger wäre die Erhaltung der
Kolonien nicht möglich gewesen.
Bei den Römern ging es
wieder ein paar Schritte zurück. eine riesige Zahl von Kolonien und Sklaven
ernährten einige wenige gut und eine Schar Taugenichtse in Rom.
Das Mittelalter brachte es
zu ein paar Kirchen im romanischen und gotischen Stil. Außer den höheren
geistlichen oder weltlichen Würdenträgern befanden sich alle auf dem
Existenzminimum mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von
fünfunddreißig. Als Steuersatz galt „der Zehnte“. Mehr war aus den armen
Leibeigenen nicht herauszupressen.
Mit der Festigung der
Königreiche in Europa begann auch der Wettkampf zwischen ihnen. Die Kriege
wurden immer teurer und die Möglichkeiten der Finanzierung waren begrenzt.
Entweder verfügte man über völkerreiche Gebiete oder reiche Gold und
Silberminen, wie die Spanier in ihren Kolonien. Andere Länder bauten
Handelsstädte auch, zum Beispiel Venedig, Genua, Hamburg, Salzburg, Nürnberg
usw., die höhere Steuern bezahlen konnten.
Die führte nun zur Entstehung
einen Bürgertums, dem nicht mehr so leicht zu befohlen werden konnte. Der
König oder Fürst war gezwungen, Zugeständnisse zu machen. Die Folge waren der
Parlamentarismus in England und die Französische Revolution.
Die Sklaven waren anfangs
als billige Arbeitskräfte für die Kolonien unentbehrlich. Aber nach der
Verteilung der Ländereien in Arizona, New Mexiko und Texas behinderten sie
die Entwicklung einer modernen Landwirtschaft in den U.S.A. und mussten
deshalb befreit werden. Dies geschah im amerikanischen Bürgerkrieg.
Die wirtschaftlichen
Umstände waren natürlich noch nicht reif für eine vollständige
Gleichberechtigung, vor allem weil auch normale Bürger und Frauen diesen Grad
noch nicht erreicht hatten. Immer kompliziertere und wechselhaftere
Industriezweige benötigten ausgebildete und mobile Arbeitskräfte, und der
Staat noch mehr Geld. Sollten aber die Bewohner eines Landes höhere Steuern
bezahlen, dann mussten sie auch mehr verdienen, der Binnenmarkt musste aufgebaut
werden.
Der Markt bedeutet nicht nur
produzierende Industrie und Luxusgüter, sondern auch Konsumgüter für weniger
vermögende Schichten. Umso mehr der Staat auch dieser Bürger bedurfte,
erzwangen sie sich das Wahlrecht. Danach ging es Schlag auf Schlag, zuerst
die Frauen, die Schwarzen und heute Kinder. Eine Industrie könnte ohne diese
Käuferkreise nicht mehr existieren. Ein Blick auf ein Einkaufszentrum im
Stadtinneren zeigt uns die Hauptzielgruppe: Jugendliche zwischen zwölf und
zweiundzwanzig Jahren.
Was wird wohl der nächste
Schritt? Im Laufe der Geschichte waren es immer die Klassen, die gerade die
Gleichberechtigung für sich erreicht hatte, welche einen Aufstieg der unter
ihnen liegenden Schichten zu verhindern suchte. So ist es bis heute geblieben.
Der Pöbel hat Angst, niemanden zu haben, den er treten kann. Das heißt heute
Ausländerhass. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass es noch fünfeinhalb
Milliarden Arme in den Entwicklungsländern gibt. Ein neuer Markt für
wirtschaftliche Entwicklung und die Hoffnung für diese Leute in der Zukunft
einmal gleichberechtigt zu sein.
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Sunday, 5 June 2016
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167) Liebe in alter Mode
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167
Liebe in alter Mode
Noch schnell ins
Blumengeschäft, eine rote Rose. In seinen Ohren klang ihm das Lied von Heino
„Schenk ihr eine rote Rose“. Er war ein bisschen aufgeregt, hatte er sie doch
nicht, wie seiner Zeiten, am Arbeitsplatz, auf einer Hochzeit oder durch ein
Heiratsinstitut kennengelernt. Diese Firmen waren alle bankrottgegangen, als
das Internet kam und die neuen nannten sich nur „Partnersuche“. Dort gab es
keine hübsche Beraterin, die einem Tipps zuflüsterte, was man schreiben
sollte, um im besten Licht zu erscheinen. Jetzt musste man selbst nachdenken.
Dann wurden zehntausend elektronische Nachrichten ausgetauscht, sogenannte
Emails. Hier lernte er schreiben, wie Cyrano de Bergerac, wusste eigentlich
schon alles über sie, hatte auch tausend Mal gelogen. Tja! Wie überredet
„Mann“ „Frau“? Das kostete Nerven, Zeit, Energie. Sie hatte zwar ein Foto
geschickt, aber das war natürlich keine Garantie, wahrscheinlich genauso
aufgearbeitet, wie sein eigenes.
Es war Winter und die Rosen
im Geschäft kamen mit dem Flugzeug aus Afrika, die war noch immer billiger,
als sie hier im Glashaus zu züchten. Auch er hatte schon ein paar Mal seinen
Arbeitsplatz wechseln müssen, weil in Entwicklungsländern billiger gearbeitet
wurde, oder ein Einwanderer für einen niedrigeren Lohn bereit war, die
Aufgaben zu übernehmen. Diese globale Welt gefiel ihm nicht. Jetzt war er
fünfzig und musste sich ständig weiterbilden. Jeden Abend saß er nach der
Arbeit zu Hause und lernte Englisch oder etwas Neues auf seinem Fachgebiet.
Warum musste er eine andere Sprache lernen? War nicht die Deutsche die
schönste, ausdrucksreichste und schwerste auf der Welt?
Er wählte eine schöne, große
Rose mit einem langen Stil. Noch schnell eine Zigarette und dann ein
Kaugummi. Zu seiner Jugend war das Rauchen noch männlich. Marlboro-Werbung:
Ein Cowboy auf seinem Pferd und vor ihm die weite Prairie. Zehn Minuten vor
der verabredeten Zeit traf er dort ein. Er hatte gedacht, dass der von ihr
vorgeschlagener Platz ein ruhiger Ort sei, aber hier standen schon einige
Leute. Zerrissene Jeans, Mädchen fast im Bikini, ein farbiges Durcheinander.
Doch eines hatten sie alle gemein, sie waren jünger als er und in ihren
Händen trugen sie ein Handy, entweder um etwas zu lesen, oder um etwas zu
schreiben oder spielen. Er zog seinen Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen
Zeitung heraus, den er noch hatte lesen wollen.
Aber warum hatte er ihn
eigentlich aus der Tasche gezogen? Er wusste genau, dass er sich jetzt nicht
darauf konzentrieren konnte. Vielleicht, um nicht zu sehr den Eindruck zu
erwecken, dass er doch auf sie wartete. Ein Blick auf seine teure Armbanduhr
verriet ihm, es war noch nicht so weit. Er hielt die Rose fest und fühlte die
Dornen. Warum musste so ein schönes Ding so stachelig sein? Wer leidet wohl
mehr, die Rose, die ihre Anbeter durch die Dornen fernhält, oder die Anbeter,
die sich daran stechen? Wahrscheinlich beide gleich viel, nur anders.
Jetzt bemerkte er auf der
gegenüberliegenden Seite des Platzes eine Person, die der glich, auf die er
wartete. Es musste sie sein, weil die besprochenen Kennzeichen, in seiner
Hand Rose und Zeitung, in ihrer Hut, darauf hindeuteten. Sie war ziemlich
pünktlich, nur drei Minuten zu spät, das war nichts. Eine ihrer positiven
Eigenschaften, oder nur die Wichtigkeit des Treffens? Es würde sich
herausstellen. Er gab ihr noch keinen Kuss auf den Mund, sondern nur einen
auf die linke und rechte Backe, dabei legte er die Hand leicht um ihre Hüfte
und zog sie zärtlich näher. Sie wehrte nicht ab, ließ sich führen. Dann
überreichte er die Rose. Das Papier um den Stil war ein bisschen gerötet,
deshalb nahm sie schnell zwei Taschentücher hervor, eines für die Rose und
mit dem anderen behandelte sie seine Hand.
Die ersten Worte waren
gewechselt, die ersten Berührungen ausgetauscht, besser hätte es nicht laufen
können. Als Programmpunkt für den Abend hatte er eigentlich an ein Konzert
oder Theaterstück gedacht, doch dies hatte sie abgelehnt, weil sie meinte,
dass es später noch viele Gelegenheiten geben würde, an denen man sich
weniger zu sagen hätte und erst wieder neue, gemeinsame Erlebnisse sammeln
müsse. Er führte sie also auf ihren Wunsch in eine kleine, gemütliche
Gastwirtschaft. Es war auch nicht so teuer, weil sie als moderne Frau darauf
bestanden hatte, die Hälfte der Rechnung zu begleichen. Zudem war es
offensichtlich, ihren Arbeitsplatz beurteilend, dass sie mehr als er
verdiente. Der Kellner kam, brachte die Speisekarte und wand sich ihr zu. Ein
leichter, trockener Weißwein. Er stimmte zu. Natürlich trat hier sofort das
nächste Problem auf: Was sollte er dazu essen? Sie bestellte Fisch mit Reis
und Gurkensalat, er nickte nur. An diesen Kulturschock musste er sich erst
gewöhnen. Kein Bier, kein Schnitzel mit Pommes, kein Schnaps danach, und vor
allem keine Zigaretten. Was für eine Welt!
Sie verstand auch nichts vom
Fußball, sah sich lieber Tennis an, nahm drei Mal in der Woche an einer
Aerobic-Stunde teil. Ein bisschen moderne Malerei und Esoterik, Mozarts Don
Giovanni im Porsche mit Donna Elvira im Bikini, „Sauls Sohn“ musste man
gesehen haben, sie war „up to date“. Er würde sich in diese Richtung
weiterbilden müssen und seine Halbkultur durch eine andere ergänzen. Sie
merkte, dass er nicht zur gleichen Gesellschaftsschicht gehörte, nicht die
gleichen Kreise frequentierte. Jede Zeit hatte seine eigenen Symbole. Zur
Zeit seiner Mutter waren es Moped, Elvis und Miniröcke gewesen. Die Frau, die
jetzt vor ihm saß, wäre in fünfzig Jahren ein Clown. Nur der Fußball und Bier
schien ihm ewig.
Nach dem Abendessen ein
Spaziergang durch den Park um den kleinen, künstlichen See, besser als am
Flussufer entlang, weil es hier wenigstens keine Stechmücken gab. Die leichte
Jacke trug sie über die Tasche gehängt, so dass die Schultern und die Haut
über den Busen freilagen. Das dünne Kleidchen lag eng an. Die
Schultermuskulatur schon ein bisschen eingefallen, um die Hüfte nur ein paar
Kilo zu viel, der Hintern mehr platt und die Haut porig, aber für ihr Alter
noch ganz in Ordnung. Das passte zu seiner flachen Brust, dem kleinen
Bierbauch und den dünnen Armen. Sie gefielen sich.
Warum brauchten sie
einander? Vielleicht mehr, um das Wochenende und den Urlaub nicht allein
verbringen zu müssen. Sie besprachen noch das nächste Treffen. Spät brachte
er sie zu ihrem Auto und ging zu Fuß nach Hause.
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Sunday, 29 May 2016
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166) Der Goldfrüchtebaum
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166 Der Goldfrüchtebaum
Da schlummerte er im
Schatten des kleinen Unterstandes. Seine Hunde arbeiteten für ihn, sie
passten auf die Schafe auf, jeder Eindringling, ob Mensch oder andere Tiere,
wurde sofort durch lautes Gebell gemeldet, nicht einmal ein Eichhörnchen
konnte sich unbemerkt nähern.
Deshalb war es dem Hirten
auch unverständlich und er wusste nicht genau, ob er träumte oder wach war,
als so ein Struppelschwanz neben ihm saß. Er bewegte sich nicht, wollte das
tapfere Tier nicht verjagen. Es hatte eine schimmernde Frucht in seinen
Vorderpfoten und sagte: „Daraus wird ein Goldfrüchtebaum! Such einen
geeigneten Platz und pflanz es ein! Und dann komme ich, um in dem Baum zu
wohnen.“ Es gab ihm die Frucht und verschwand.
Ein paar Wolken hatten die
Sonne verdeckt, eine leichte Brise wehte über die Weide. Einer seiner Hunde stupste
ihn am Bein. Er sah auf und wusste, dass er seine Schützlinge in den in der
Nähe liegenden, zerfallenen Burghof bringen musste, in dem die Tiere weniger
dem Unwetter ausgesetzt waren. In der Ruine angekommen, fing es auch schon
an, zu regnen. Jedes Tier suchte seinen Lieblingsplatz auf und der Hirte ließ
sich in dem nach einer Seite halb geöffneten Schuppen nieder. Er machte ein
kleines Feuer und begann, ein Stück Speck und eine Zwiebel auf einem Spieß zu
grillen. Als es fertig war, griff er in die Jackentasche, in der sich ein
bisschen Salz befand. Aber da war etwas. Er nahm es heraus und betrachtete es
genauer. Eine schimmernde Frucht! Nachdenklich drehte er sie in seiner Hand.
Hatte er doch nicht geträumt? Der Hunger rief, er salzte sein Essen. Was
sollte nun mit dieser Frucht passieren? Vielleicht ließ sie sich verkaufen?
Ein Stück Speck? Solches und ähnliches ging ihm durch den Kopf, als er kaute.
Als er wieder auf der Weide
saß, glitt sie mehrmals durch seine Finger. Dann stand er auf, machte mit
seinem Stock ein Loch, legte sie hinein und holte aus der nahen Quelle ein
bisschen Wasser, um sie zu begießen. Dies tat er jetzt jeden Tag. Bis zum
Herbst konnte aber noch immer nichts erkannt werden und im Winter vergaß er
die Sache ganz. Es war kalt und oft plagte ihn der Hunger.
Im Frühling dann sah er vor
seinem Unterstand etwas Kleinen, Schimmerndes, das aber kein Grashalm zu sein
schien. Näher betrachtet glich es einem Baumsprössling, vor allem genau an
der Stelle, an der er im Vorjahr die Frucht gepflanzt hatte. Schnell holte er
ein paar stärkere Stöcke aus dem Wald und baute einen kleinen Zaun um die
kleine Pflanze, damit sie nicht von den Schafen zertrampelt oder abgeweidet
würde. Wieder begann er, sie jeden Tag mit dem Wasser aus der nahen Quelle zu
gießen. Nach dem fünften Jahr konnte er einen Teil seines Körpers im Schatten
des kleinen Baumes legen. Im zehnten Jahr ließ sich die erste Frucht sehen.
Als das zwanzigste Jahr vergangen war, kam das kleine Eichhörnchen wieder zu
ihm, als er gerade im Schatten des Baumes schlummerte und steckte eine
goldene Frucht in seine Tasche. Erst am Abend bemerkte er sie, während er das
Essen grillte und es salzen wollte.
Er blickte in den Baum
hinauf, in dessen Ästen er den kleinen Freund erblickte. Nun hatte er wieder
ein! Was sollte er jetzt damit anfangen? Wenn er sie verkaufte, müsste er
sein Lebtag nicht mehr arbeiten. Einen warmen Ofen, Suppe, nicht gegrilltes,
Kartoffelpüree wie früher zu Hause in seiner Kindheit. Aber würde man ihn
nicht fragen, woher das kommt? Wie sollte er das erklären? Tagelang dachte er
darüber nach, wollte auch das großzügige Tierchen im Baum fragen, doch dieses
ließ sich nicht blicken, sondern ließ ihn mit seinem Problem allein.
Umso mehr er darüber
nachdachte, desto mehr kam ihm die Überzeugung, dass er die Frucht entweder
einpflanzen oder wegwerfen sollte. Um ein ähnliches Problem für die Zukunft
zu vermeiden, warf er sie weg. Wie erstaunt war er, als zwanzig Jahre später
ein Eichhörnchen kam, und ihm eine neue Frucht in die Tasche steckte.
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Thursday, 19 May 2016
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165) Rassismus
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Rassismus
In allen Religionen steht ein schaffender
Gott am Anfang, der nacheinander die Welt aus dem Nichts aufbaute, oder eine
Mutter Erde auf der dann alles entstand. Zuerst Tag und Nacht, dann Erde und
Gestirne, Tiere für Wasser, Land und Luft, bei den Griechen sogar für das
Feuer den Phoenix, als letztes den Menschen, das größte Erzeugnis seines
Gesamtwerkes. Innerhalb dieser Ordnung stehen weltliche Würdenträger, die
meist auch die höchsten, geistlichen Ämter innehaben, an der Spitze der
Pyramide.
Dass mit diesem Aufbau etwas nicht ganz
stimmt, fiel nicht nur einem auf. Von Buddha über Jesus, Martin Luther, die
Französische Revolution bis zu Gandhi, dem amerikanischen Martin Luther King
oder Nelson Mandela bäumten sie sich auf.
Mehrere Kulturen, Religionen und Völker
umgreifende Reiche bildeten sich, das chinesische, die indischen, das
persische, das römische. Viele Götter wurden übernommen, die besiegten Völker
versklavt. Wenn sich die verschiedenen Kulturen assimiliert hatten, wurden
aus den Sklaven sehr oft herrschende Schichten, weil diese mehr gezwungen
waren, mit Hilfe ihrer Fähigkeiten zu überleben, und diese aus diesem Grund
besser als die ehemaligen Eroberer entwickelt hatten. Aus Aufzeichnungen
wissen wir, dass die Heere der größeren Reiche teilweise bis zu neunzig
Prozent aus Kriegern fremder Völker bestanden.
Von Zeit zu Zeit vereinigten sich Horden
oder Nomadenvölker, wie Tartaren, Mongolen, Skythen oder türkische Stämme und
dann ging es wie eine Lawine. Eine kleine Gruppe unterwarf eine benachbarte,
wobei sich jene dem Sieger anschloss. Mit doppelter Kraft besiegten sie viele
andere, die sich wiederum mitreißen ließen, usw. Hierbei entstand eine ganze
Welle, die alle paar Jahrhunderte zu einer richtigen Völkerwanderung führte.
Nach dem dreizehnten Jahrhundert waren auf
der euroasiatischen Platte fast alle sesshaft geworden, Städte und Festungen
wurden errichtet, Nationalstaaten bildeten sich. Religiöse Schriften, wie die
Bibel, verbreiteten den Gedanken von einem auserwählten Volk.
Den letzten traurigen Schritt zum Rassismus
machte ungewollt die Wissenschaft. Der Wissensdurst und die immer größere
Gewissheit, dass der Mensch ein Teil einer natürlichen Entwicklung ist,
schloss natürlich einen Entwicklungsunterschied zwischen den Völkern ein. Die
Lehre vom Überlebenskampf und dem Sieg des Besseren tat den Rest. Wenn die
Araber, Türken, Inder, Römer jemanden versklavten, taten sie dies, weil jener
seine Schulden nicht begleichen konnte oder sein Volk besiegt worden war,
aber niemals aufgrund seiner Rasse. Sehr viele wurden dann später befreit und
übernahmen hohe Ämter. Aber der Europäer war anders.
Der Wandel vom Königreich zum Nationalstaat
und die biblische Theorie des auserwählten Volkes führten zu der falschen
Schlussfolgerung, dass es höhere und niedrigere Rassen geben muss. Die
Versklavung und Verschiffung der Schwarzen nach Amerika und anderen
Südseeinseln war der erste Schritt und der Holocaust der schrecklichste und
hoffentlich letzte.
Einmal werden ein afrikanischer, ein
asiatischer und ein europäischer Typ oder eine Mischung aus allen dreien auf
dem Mars stehen und sagen, dass sie „nur“ Menschen sind.
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Thursday, 12 May 2016
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164) Das ewige Leben
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Das ewige Leben
„Hier“, fragte der erste verständige Mensch
und zeigte mit seinem Zeigefinger auf den Platz, an dem er gerade stand.
„Hier“, antwortete sein Begleiter. „Dort“, indem er mit seinem Finger in die
Richtung zeigte, aus der sie gekommen waren. „Dort“, kam die prompte Antwort.
„Dort“, indem er in die zu gehende Richtung zeigte. „Dort“, wiederholte der
andere. Sie sahen sich an und erkannten einen Unterschied zwischen dem einen
und dem anderen „dort“.
Wann die Erkenntnis sich bemerkbar machte,
dass es sich hier nicht nur um einen räumlichen, sondern auch um einen
zeitlichen Unterschied handelte, ist schwierig abzusehen. Dann begannen sie,
sich über Vergangenes und Kommendes zu erzählen. Anfänglich war das
Erinnerungsvermögen wahrscheinlich begrenzt. Tote Gruppenmitglieder wurden
schnell vergessen. Bei vagen Bruchteilen des Gedächtnisses verwandelten sie
sich zu Göttern, waren dann unsterblich. Aber für die meisten gab es nur
Geburt und Tod, wobei das Leben dazwischen im Allgemeinen nur aus höchstens
zwanzig bis fünfundzwanzig Sommern bestand.
Wunsch nach Gleichberechtigung ist ein
natürliches Bedürfnis des Menschen. Warum sollte nur der König, Pharao,
Hauptmann oder Gruppenführer über dieses Vorrecht verfügen. Leute, wie
Zarathustra, Buddha oder Jesus, verursachten die ersten gesellschaftlichen
Revolutionen. Der eine teilte die Welt in eine gute und eine böse Macht auf,
und es kam darauf an, auf welche Seite man sich stellen wollte. Der andere
versprach das Nirwana all jenen, die bereit waren ihr, ihr Leben nach
bestimmten Regeln zu führen. Der dritte flunkerte ihnen ein Paradies vor, in
dem sie zu Gottes Füßen sitzen könnten, wenn sie arm blieben.
Es stellte sich nur noch die Frage, auf
welchem Weg man dorthin kommt. Anfänglich war man sich gewiss, dass es der
ganze Körper schafft. Die beweisen reiche Gräber, in die die Toten gelegt
wurden. Da fehlte es wirklich an nichts, Lebensmittel, Waffen, seine
Lieblingstiere, und in den reichsten auch seine Diener oder sogar seine
Frauen. Andere freuten sich über diesen Aberglauben und raubten sie aus. Man
baute sie besser oder versteckte sie. Aber vor dem Menschen ist nichts
sicher, alles wird gefunden und gestohlen. Deshalb musste man sich einen
anderen Trick ausdenken. Jetzt sollte es nur der Seele gelingen, das Ziel zu
erreichen. Dies hatte natürlich noch Vorteile, mehrere Male konnte das Leben
wiederholt werden. Aber ewig durfte es nicht dauern, dies wäre doch zu viel
Glück gewesen. Oder war und ist unendliche Zeit einfach unvorstellbar?
Dennoch führte die Aussicht auf noch eine Möglichkeit, alles ein zweites und
vielleicht drittes Mal versuchen zu können, zur Beruhigung der Gemüter. Dies
ist wahrscheinlich einer der Gründe, dass Religionen vor allem in
Industriestaaten bis heute überlebt haben.
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